»Wie's Euch beliebt,« sprach Helena in weniger demütigem Tone. »Laßt Euch bedankt sein für Speise und für Rast. Behüt' Gott!«

Sie erhob sich und ging, als bände Müdigkeit noch ihre Glieder, schleppend aus dem Hause, spähend, in alle Winkel lugend. Doch kaum aus dem Hoftore getreten, ward ihr Wesen wieder keck und fest. Mit einem trotzigen Blicke schaute sie über die Mauer nach dem Dache des Gehöftes, über welchem eben die ersten Mondlichter zitterten. —

Der Abend war zur Nacht geworden. Die Fiedeln in den Schenken wurden stille, das Lärmen, Johlen, Singen war zu Ende. Ein Licht ums andere erlosch und immer dichter ward die Nacht. Wetterwolken zogen ihren düsteren Schleier über Mond und Sterne und der Sturmwind heulte klagend, pfeifend, zürnend durch die Gassen.

Es ist Mitternacht. Zwölf dumpfe Schläge, die der Sturm sich aus den Glocken bricht und mit sich fortträgt über die nächtige Flur!

Was glüht dort durch die Nacht? — Nun schwache Röte gleich dem Dämmerlichte im Nebel, nun plötzlich wachsend bis zur Flammenflut, den schwarzen Mantel der Nacht mit rotem Glaste überströmend!

Hilf Gott im Himmel, welch ein Feuer! Und wie die Glocken wimmern, Menschen klagen, Tiere brüllen! — Ein schreckliches Bild!


4. Kapitel: Eine Hexe