»'s ist schrecklich, wie Sie lästert! Hat Sie denn nicht geheimnisvolle Kräuter in Menge in ihrer Stube aufbewahrt?«

»Geheimnisvolle Kräuter!« höhnte die Alte. »Kennt Ihr denn nicht die Springwurz?«

»Springwurz!« wiederholte der Oberschultheiß nachdenklich. »Was sagte doch die dicke Hökerin, die wir verbrannt, von diesem Kraute aus?«

»Ist mir sehr wohl erinnerlich,« sprach Hans Offterdach, der zweite Rat. »Die Springwurz, bekannte jene Malefizperson, muß, wenn sie anfängt in die Blume zu schießen, in des Bösen Namen gepflückt werden. Hält man solch ein Kraut ans beste Schloß, so springt es auf, als würde es mit dem Schlüssel geöffnet.«

»Bene, optime,« bestätigte der Oberschultheiß; »sieht Sie nun, welch böses Kraut die Springwurz ist, und wie es sonnenklar am Tage liegt, daß sie es mit dem Teufel hält?«

»Wie klug ihr Herren seid! Wenn doch die Springwurz solche Kraft besitzt, wie kommt es dann, daß nicht die Türen, Tore und Kisten und Kasten von ganz Würzburg damit aufgesperrt und ausgeplündert werden? Oder macht die Probe! Gebt mir meine Springwurz zurück und laßt es mich versuchen, die Schlösser hier an meinen Ketten und das Eisenschloß an meiner Kerkertüre aufzusprengen; gelingt es mir, dann mögt ihr mit mir tun nach euerem Belieben; wenn nicht, ist's euere Pflicht, mich wieder freizugeben.«

»Da sei Gott vor!« rief der Oberschultheiß aus; »Sie will die schwere Schuld, so auf Ihr lastet, mit losem Spotte von sich wälzen? Nein, solchem Frevel leiht ein frommes Gericht nicht Ohr noch Hand. Item. Man fraget Sie, was in den Fläschlein allen enthalten, so sich bei Ihr gefunden?«

»Läusewasser für die dummen Bauern,« gab die Ammfrau fest zurück.