»Sie, Gertraud Bernin,« hob der Oberschultheiß an, »sonst auch die Ammfrau genannt, ist angeklagt der bösen Zauberei. Man hat Sie heute erst in Güte, dann in strengem Ernste gefragt, was Sie zu bekennen habe, und ist endlich zur Tortur geschritten, worauf Sie flehentlich bat, man möge Ihrer schonen, Sie wolle alles getreulich bekennen.«

»Ich habe nichts versprochen,« entgegnen kurz die Alte und schüttelte den Kopf mit den losen weißen Haaren.

»Sie scheint dem alten Trotze zu verfallen? Gedenkt Sie noch der Marter, unter der Sie heute morgen ächzte?«

»Ja. Die Herren ließen die Sache deutlich genug machen, daß man sie so leicht nicht vergißt.«

»Will Sie nun bekennen?«

»Was denn?«

»Daß Sie eine Unholdin ist und eine Hexe!«

»Nein.«

»Wenn Sie auch nicht bekennen wollte, so ist solch großer Trotz schon sicherer Beweis, daß Sie im Bunde mit dem Bösen steht.«

»Meint Ihr?« grinste die Bernin. »Und wenn ich nichts zu bekennen hätte? Wenn all euere Weisheit, ihr Herren, sich vergebens an mir abmüht, um jene Schuld zu finden, von der ihr träumt, die ich aber nicht auf mir habe? Ich bin nicht Unhold, bin nicht Hexe — ich schwöre es euch, so wahr ein Gott im Himmel lebt!«