Streng und kalt sahen sie dem Schauspiele zu, die weisen Herren; sahen, wie ein alter Menschenleib sich unter wilden Schmerzen krümmte, wie Blut die Stellen bezeichnete, wo sich die Rute in das welke Fleisch gegraben; sie hörten, wie die Brust dem Schmerze durch Stöhnen, Ächzen, schrille Schreie Ausdruck gab: — sie sahen's alle mit ruhigem Auge an, nur einer wandte den Blick und zuckte bei jeglichem Streiche, bei jedem Schmerzensrufe — es war der Ratsherr Gering. Ein gräßliches Bild stieg da vor seiner Seele aus. Ihm war's, als quälten sie dort die blinde Elsa, seinen Liebling; und jeder Streich, der schwirrend, pfeifend niederfiel, und jedes Ach, das durch die dumpfe Stille drang, schrie: Elsa! —
»Genug!« befahl der Oberschultheiß nach dem sechzehnten Rutenstreiche.
Der Henker trat zur Seite, seine Rute prüfend.
Die Ammfrau warf einen Blick nach dem Gestrengen, aus dem einen Augenblick ein Strahl von Dankbarkeit leuchtete; sogleich aber ging dieser wehmilde Zug wieder in Grimm und Haß über, welche ihre Seele quälten, wie der grausame Schmerz den Leib.
»Wird Sie nun wohl bereit sein, Ihre Schuld zu gestehen?« fragte tonlos der Oberschultheiß.
Die Alte starrte vor sich nieder. Ihre Glieder zuckten, die Lippen aber blieben fest geschlossen.
»Ich warne Sie vor dem nächsten Grade peinlicher Tortur!«
Sie schlug die Augen auf und sah die Richter der Reihe nach mit trockenem, glühendem Blicke an. Und als sie dem Ratsherrn Gering ins Antlitz schaute, da war es erst wie Frage, wie Bitte um Erbarmen, dann wieder wie Rache, blutige Rache, was ihr Auge sprach.
»Ich habe nichts zu bekennen.«
Ein neuer Wink an den Henker.