Dieser löste die angstvoll schauende Alte vom Stuhle los, legte sie auf den Boden und band ihr Hände und Füße. Dann zog er durch die Bande einen Strick, der durch einen Ring laufend von der Decke hing, erfaßte das Ende desselben und zog, seine Füße fest gegen den Boden stemmend, die Ammfrau ruckweise in die Höhe.
— Und sie schauten auf, wie die Alte zwischen Decke und Estrich hing, ein Knäuel, ächzend, stöhnend, röchelnd, die Schergen der Gerechtigkeit, nicht ahnend, daß ihr Andenken in Ewigkeit der Schmach, der tiefsten Schmach, anheimgefallen! —
»Noch kein Geständnis?«
Ob wohl die Arme diese Frage hörte? Ob nicht der Schmerz die Sinne band und sie in seinen dunkeln Wellen begrub?
Keine Antwort.
»Ad tertium torturae gradum!«
»Ich denke, 's ist genug, mehr als genug,« platzte nun in hellem Eifer Gering heraus. »Was soll das heißen — Gericht oder Mord? Wißt Ihr denn überhaupt, ob nicht der Tod sie schon erlöste von Euerer Weisheit! Herrgott im Himmel, hängt Euch daran, Gestrenger, und Ihr gesteht, daß Ihr den Teufel zum Vater hattet. Dixi.«
»Hm,« näselte der Oberschultheiß und zog die Brauen hoch. »Vermessene Rede das, liebwerter Herr, fürwahr, sehr vermessen! Hier liegt das peinliche Recht, hab' ich's gemacht? Nein! Hab' ich danach zu richten? Ja! Ergo — fiat justitia! Henker, vorwärts!«
Gering erhob sich rasch, daß der Stuhl hinter ihm zu Boden fiel, und verließ den Saal.