Aus der engen, winkeligen Judengasse, welche vom Marienplatze her in die Domstraße mündet, wälzte sich ein dichter Menschenstrom. Lautlos zogen dichtgedrängt dahin die Männer und Frauen, die jungen Burschen und Dirnen, Trauer, Mitleid und Entsetzen in den Mienen. Die alten Mütterlein, die mit der Menge gingen, und manche frische Maid hielten sich schluchzend das Tränentüchlein vor das Angesicht, in manchen Mannes Antlitz zuckte Schmerz und Zorn und Wut.
Nun vier Knechte.
Und zwischen ihnen Vater Gering, an seinem Arme Elsa und mit der Linken sein junges Ebenbild, die kleine Irma, führend.
»Du zitterst, Vater!« sprach das blinde Mädchen.
Der Alte antwortete nicht.
»Vater, warum gibst du deiner Elsa keine Antwort?« fragte die Maid und schmiegte sich inniger an den Greis.
»Ich kann nicht!«
»Du weinst, Vater?«
»Weil ich nicht sterben kann!«
»Sterben?« wiederholte Elsa. »Dieser Trost wird uns zuteil werden.«