»Und warum haben sie die Jungfrau gefangen genommen?« fragte er mit tonloser Stimme.

»Ei, weil sie eine Hexe ist,« gab Friedrich rasch zurück.

Der Alte zuckte zusammen. »Da,« rief er und gab dem Lehrburschen eine klatschende Ohrfeige, »da, bring' das den gelehrten Richtern und sage ihnen, sie seien entweder Esel oder Teufel!«

Der Knabe sah mit einer Mischung von Zorn, Scham und Mitgefühl zu seinem Meister auf. »Warum schlagt Ihr mich?« sprach er, »hab' ich's verdient?«

»Geh', Friedrich, geh'!« entgegnete der Alte und reichte dem Jungen die Hand. »Geh' heim! Ich weiß nicht, was ich tue, noch was ich rede. Mir schwindelt Kopf und Herz. Freund Winterholder, Euren Arm! Wenn ich nur weinen könnte! — Aber auch die Träne hat der Zorn mir aufgefressen! — Göbels Edeltraut als Hexe! — Freund, sagt mir, brennt Euch nicht der Boden unter Eueren Füßen, und ist's Euch nicht, als glühte die Luft? Ich meine just, ich stünde auf der Hölle!«

»Wollt Ihr denn nicht nach Hause gehen?« fragte teilnehmend Winterholder. »Euch schüttelt Schmerz und Zorn, als läget Ihr im Fieber.«

»Heim?« rief Gothart mit glühenden Augen; »ich nun heimgehen, indes der Satan unsere Stadt verwüstet? Geht, geht und schämt Euch dieses Wortes!«

»Aber um des Himmels willen, was wollt Ihr hier auf offener Straße — halb von Sinnen, schmerzgebeugt?«

»Was ich will? Ich will mein goldenes Patenkind beschützen, daß nicht Henkershände es berühren. Seht hier diesen Dolch, der, denke ich, kann spitzig reden.«