»Gott sei mit mir!« sprach er, einen flehenden Blick nach dem Himmel sendend. »Kommt, guter Alter, und führt mich zu den Kindern!«
Die beiden Männer gingen über den Hof, dann eine enge Treppe aufwärts und traten in einen düsteren Raum, in welchem nur ein schwaches Tageslicht mit der Finsternis rang.
Als der Kerkermeister die schwere Türe öffnete und die Kinder den Jesuiten erblickten, stürzten sie mit dem Rufe: »der gute Pater Spee!« auf ihn zu, hingen sich an seinen Talar und weinten und klagten ohne Ende.
»O führt uns heim zu Vater und zu Mutter, lieber Pater! Hier ist's so schauerlich, zum Sterben schauerlich! O wir haben's alle dem lieben Gott so fest versprochen, wir wollen nun gar fromm und folgsam sein, nur möge er uns aus diesem schrecklichen Gefängnisse befreien!«
Spee setzte sich zu den Kindern auf das Stroh und ließ es gerne geschehen, daß diese sich von allen Seiten an ihn drängten, ihre Ärmlein um seinen Hals schlangen, ihn küßten und immer wieder riefen: »Gelt, lieber, guter Pater, Ihr nehmt uns mit Euch fort, o bitte, bitte!«
Der Jesuit weinte bitterlich.
»Warum weinst du denn?« fragte ein Mädchen von acht Jahren. »Mußt du wohl auch hier im Gefängnisse bleiben? Dann bist du freilich so arm wie wir, guter Pater!«
»Nein, liebes Kind,« antwortete Spee, »ich weine nur aus Mitleid, weil ich euch, die ich so innig lieb habe, gar so unglücklich sehe. Aber, Kindlein, ihr sollet nicht verzagen. Der liebe Gott führt euch recht bald zu eueren Eltern....«
»Ach ja, recht bald, heute noch, gleich jetzt!« schrien die armen Kleinen.
»Kinder, ihr müßt geduldig sein! Der liebe Gott bestimmt die Zeit, und so lange müßt ihr warten. Ich glaube gerne, daß ihr alle brav und gut seid; aber saget mir aufrichtig, habt ihr nicht doch zuweilen eueren Eltern mit eueren kleinen Fehlern Kummer bereitet?«