Die Zeiten werden immer düsterer, Katastrophen lauern. Schwere Gewitterwolken türmen sich am politischen Horizont. Das in Serajewo vergossene Fürstenblut unsühnbar ruft es nach Rache. Europa, die ganze gesittete Welt, steht zum Sprunge bereit in unheimlicher Spannung da.
Und die Schatten, unter deren Wucht die Menschheit erschauert, werfen sich auch über das Schicksal des Einzelnen, das Schicksal der Familien.
Die Verbrechen häufen sich; alle menschlichen Beziehungen sind durch den Wurm des gewinnsüchtig egoistischen Zynismus angefressen. Die Bande der Familie sehen wir gelockert, Bruder erhebt die Hand gegen Bruder — und, wer vermöchte es ohne Entsetzen auszudenken, der geliebte, der gehegte Sohn spaltet kaltblütig mit einem Beil des gütigen Vaters Schädel.
Ja, wir sehen es ringsum und haben niemals in unserem Kampf gegen Schundliteratur, unmäßigen Kinobesuch usw. unterlassen, den Finger auf diese schwärende Wunde zu legen: Eine lasterhafte Jugend ist herangewachsen, die alle Gesetze, alles, was der Väter Mühsal geschaffen und erworben hat, mit Füßen tritt.
Libertinage, Arbeitsscheu, Vergnügungssucht, Snobismus, Kaltherzigkeit, das scheinen die Haupteigenschaften dieser Jugend zu sein; man braucht ja nur einen Blick auf die Erzeugnisse der Kunst und Literatur zu werfen, wie sie von diesen jungen Leuten kreiert werden.
„Épater le bourgeois,“ das ist heute noch mehr Trumpf als sonst und wird keineswegs mit jenem gutmütigen Humor getrieben, dessen wir Älteren noch gern gedenken, wenn wir die Werke der Naturalisten von damals betrachten, die ja auch nicht gerade sanfte Lämmer waren, und mit ihren Allotrien, Anulkungen, Satiren, den Spießbürger recht empfindlich gezaust haben. Dennoch zeichnete diese heute nicht mehr junge Generation warmes soziales Mitempfinden, aufbauender Sinn, Verständnis für Vaterland und Ordnung und bei allem Pessimismus herzhafter Lebenshumor aus!
Hingegen die Jüngsten?
Ihre Produktivität ist der Haß gegen alles Bestehende, fast möchte man sagen: Haß an sich!
Wir können nicht umhin, angesichts der neuesten Erzeugnisse der deutschen Literatur mit Altmeister Goethe auszurufen:
„Doch dies ist einer von den Neusten,