Von den reinsten Menschen, den uneigennützigsten Fanatikern! Ja, zum Teufel, das waren sie alle, obgleich ich Augenblicke habe, wo es mir scheint, sie wären Wahngebilde, Traumgespenster gewesen, und ich hätte nie Opium geraucht. — Aber, verzeihen Sie mir, das gehört gewiß nicht hierher.
Hingegen fordere ich Sie, mein Herr, der Sie Richter sind, auf, bevor Sie Ihre Anklageschrift in die Hände des Gerichts legen, eine Nacht in Kalenders Bude, in der Gesellschaft seiner Charakterpuppen zu verbringen.
Gern möchte ich es selber wissen: Ruhen diese Figuren in der Nacht, oder müssen sie im Rhythmus ihrer Verdammnis auch zu öder Stunde auf und nieder schweben?
Schleichen die alten Klavierspieler, Tanzlehrer, Leichenbitter auch im Morgengrauen durchs Zwielicht; sie, die geduldig ihre Köpfe den frechen Bällen preisgeben, sie denken wohl: „Oh, ihr kleinen und großen Idioten, die ihr meint, uns leider Unverwundbare treffen zu können! Wir sind die Fata Morgana nur zwischen eurem Ich und Du. Uns glaubt ihr zu verwunden und tötet einander!“
Ich schwöre es Ihnen, Herr Staatsanwalt, Sie werden angesichts der Kalenderschen Automaten diesen Brief verstehen.
Reinlich und wahrhaftig will ich dieses so amtsungebührlich lange Schreiben schließen.
Ich habe viel von der Feindschaft zwischen Vätern und Söhnen gesprochen.
O, glauben Sie mir, auch ich habe die Liebe des Sohnes zum Vater kennen gelernt. Ja, heute weiß ich es, diese Liebe war der stärkste Trieb meiner Seele, der verzehrendste Besitz meines Lebens gewesen; sie hat alles andere Leben von mir entfernt und mich zu meinem Unglück bis zum Rand erfüllt! Ich kenne diese Liebe. Sie muß die scheueste und geheimnisvollste von der Welt genannt werden, denn sie ist das Mysterium der Einheit und des Blutes selbst.
In der festen Hoffnung, daß Sie, Herr Staatsanwalt, unbedingt eine Nacht in der Kalenderbude verbringen werden, bin ich