Ich spürte Sinaïda nahe neben mir. Sie sah mich an. Sie sprach zu mir. Ich sah — ich sah und hörte keine Worte. Sich hinwerfen! Singen! Weinen! Die Seele war mir so weit!

Im Morgengrauen begleiteten mich Sinaïda und Hippolyt Poltakow in die Stadt. Wir sprachen kein Wort. Milchwagen klingelten in die Dämmerung. Der Flieder rief schon stark von allen Seiten.

Zwei Abgeschlossenheiten wanderten wir nebeneinander, sie und ich, jedes für sich, unerreichbar dem andern, zwei eingemauerte pochende Leben, die nie ineinander werden verfließen können.

Und doch! Eine Heilige, mit ihrem Haar hat sie die Füße des Jesus getrocknet.

Der Morgen, nicht nur für diese Erde geschaffen, schwebte hinab und wieder zur Höhe. Sinaïdas Schritt klang mit seiner zarten Ungleichmäßigkeit auf der harten Straße, wie auf einer mächtig gespannten Saite.

Ganz leicht, in der fernsten Ferne meiner Selbst, hörte ich den heiligen Marsch. Ja, den Marsch des mystischen Militärs, das alla marcia der Neunten Symphonie, ich hörte es nahen.

Ach, noch in der Unendlichkeit der unsichtbaren Sternbilder fielen die Paukenschläge und wiegten sich die schwebenden Schritte der Zahllosen. Aber näher wälzt sich schon das Meer der leichtfüßig Geharnischten. Ein Schuß, eine Explosion! Das Leben kommt mit dem Schrei eines erwachenden Ohnmächtigen zu sich und begräbt in den Tiefen seines erlösten Stroms die Trümmer der Individuen. Dann werde ich eins sein mit ihr, eins auch mit dem Feind, dem Vater!

Die nächsten Tage verbrachte ich in der angestrengtesten Weise mit den Vorbereitungen zum Attentat. Ich hatte das Parkportal in S. gewählt.