Ich nahm an, daß die große Taxusallee am Morgen des 30. Mai für das Publikum gesperrt sein würde, während der Platz vor dem Eingang dem Verkehr offenbleiben dürfte, um jedes Aufsehen zu vermeiden. Zur Vorsicht wollte ich aber in dem großen Hotel, das dem kaiserlichen Sitz gegenüberlag, übernachten, um zu jeder Zeit, als gehörte ich zu den Aufsichtsorganen, auf den Platz hinaustreten zu können.
Sollten die Gäste des Hotels unter Kontrolle stehen, so würde der bekannte Name, den ich trug, gewiß kein Mißtrauen erregen.
Mein Plan war bis in die letzte Möglichkeit einer Überraschung ausgearbeitet. Zur Vollstreckung des Todesurteils hatte ich eine Wurfbombe mit höchst brisanter Ladung gewählt.
Fünf Tage nur trennten mich von dem großen Datum. Die ersten zwei brachten Ereignisse von Wichtigkeit für mich. Sinaïda hatte plötzlich meine Hand ergriffen. Eh’ ich aber noch ein Wort sagen konnte, war sie mit einem gequälten Gesicht davongegangen und ließ sich an diesem Abend nicht mehr blicken.
Zum Zweiten hatte mich um die nächste Mittagsstunde ein Mann in etwas arrangierter Vernachlässigung angesprochen und sich nach seinem Freunde Beschitzer erkundigt, mit dem er gemeinsam in London, wie er vorgab, das „Comité de l’action directe“ geleitet hatte.
Er sei ein alter „Kamerad“, versicherte er, einer der Ältesten überhaupt, hätte zuletzt in der Omladina gewirkt und würde mir sehr dankbar sein, wenn ich eine Zusammenkunft zwischen ihm und dem alten Chaim vermitteln wollte, dessen Aufenthaltsort er nicht wüßte.
Ich fuhr den Mann an, wie er es wagen könne, einen Offizier zu belästigen, und ließ ihn stehen. Sollte man mir auf der Fährte sein? War das einer der vorausgesandten russischen Spitzel? Ein Fremder wußte von mir. Unter den tausend Leutnants auf den Straßen hatte er mich herausgefunden. Ich war gewarnt und unterließ es an diesem Abend, das Haus der Verschwörer aufzusuchen. Unruhe verlieh mir eine übermäßige Wachheit. Ich musterte alle Vorübergehenden scharf — und es war mir, als wären hundert Verfolger unter ihnen.
Das dritte denkwürdige Ereignis war ein Brief der Generalin, meiner Stiefmutter. Hier ist er:
„Mon cher! Warum beleidigen und agacieren Sie Ihren Vater durch andauernde Nichtachtung und Nichtbeachtung? Damit handeln Sie vor Gott und den Menschen nicht recht.
Ihr Vater ist Ihr Wohltäter!