Dieser Satz ist eine Arznei. Er lehrt dich das Leben richtig einschätzen. Was kann dir denn geschehen? Bedenke, daß unsere Natur so gnädig ist, nur soviel Schmerz bewußt werden zu lassen, als sie ertragen kann. — Und das ist gar nicht so viel. Dreiviertel unserer Schmerzen sind Einbildung, daß etwas wehe tut, pure Konzentrationen der Aufmerksamkeit auf eine recht geringe Schmerztatsache.

Das Ticken einer Taschenuhr in der Stille der Nacht oder gar im Traum gleicht den mächtigen Axtschlägen der Holzhacker.

Nicht anders ist es mit unseren Schmerzen, die des Menschen angsterfüllte Aufmerksamkeit übertreibt.“

Noch an einen Ausspruch Beschitzers erinnere ich mich:

„Jeder anständige Mensch glaubt an zweierlei: an die Unsterblichkeit des Lebens und an die Geringfügigkeit alles Individuellen. Wie kann also der Tod furchtbar sein, da ja das Leben unsterblich und der Bestand des gerade So und So geborenen Ich weiter nicht wünschenswert ist?

Und dienen wir der Unsterblichkeit des Lebens, die wir mit unserer Form zu verlieren zittern, nicht am besten, indem wir den passiven Tod ausschalten, uns dem unsterblichen Lebensstrom der Liebe anpassen und einem Menschen oder einer Wahrheit zu Liebe den Tod willkürlich erleiden?

Heroismus ist nichts als höhere Intelligenz.“

Eine Stunde war vergangen. Der Alte erhob sich und gebot Schweigen:

„Die Zeit ist da! Wir müssen Abschied voneinander nehmen und uns in der Stadt und in den Dörfern so gut verbergen, als nur möglich. Ob wir ergriffen werden oder freibleiben, keiner darf vom andern das Geringste wissen. Ihr vermeidet es, euch zu begegnen! Einzig und allein ich bin es, den Ihr an dem bekannten Ort und zur bekannten Stunde aufsuchen dürft. Und nun, genug!“