Der Umstand der Zeit.

121. Ein Brief.

(Wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Lieber Theodor!

Vorgestern ist unsere Reise nach Amerika zur Gewißheit geworden. Ueber ein Kleines wirst Du mich also nicht mehr sehen. Mein Vater verkauft bereits unsere Möbeln. Unser Haus ist unlängst in die Hände meines Onkels übergegangen. Derselbe wird nächstens auch meines Vaters Geschäft übernehmen. Sie sind heute um den Kaufpreis einig geworden.

Auch ich habe soeben ein Verkaufsgeschäft abgeschlossen. Nachbars Otto erhält nämlich heute noch meine Kaninchen. In einer Stunde werden sie abgeholt. Für mein Eichhörnchen wird sich hoffentlich auch bald ein Liebhaber finden. Ich habe schon mein Absehen auf Jemand gerichtet. Es muß indeß nicht Alles sogleich verkauft sein. Es hat noch bis zum ersten Juni Zeit damit.

Während der letzten Tage ist eine merkwürdige Veränderung mit mir vorgegangen. Ich hatte sonst diese Thiere unendlich lieb. Jetzt kann ich sie gleichgiltig hingeben. Vor vier Wochen bot mir ein Engländer zwei Thaler für das Eichhörnchen. Neulich wollte er sogar drei Thaler dafür geben. Ich hätte es ihm damals um keinen Preis abgelassen. Und nun habe ich zehn Groschen dafür erhalten.

So herrscht gegenwärtig in meinem Hause ein eigenthümliches Leben. Vor acht Tagen noch befand sich Alles darin in schönster Ordnung. Jetzt geht es bunt durcheinander. Hoffentlich wird nach kurzer Zeit alles Entbehrliche verkauft sein. In den letzten Tagen unseres Hierseins werden wir freilich ein ziemlich ungemüthliches Leben führen müssen. Ich tröste mich indeß während dieser Zeit mit den Worten meines Vaters. Er sagte kürzlich: Einst wird’s besser!

Zu nächstem Sonntage werde ich Dich noch einmal besuchen. Später würde mir ein Besuch nicht gut mehr möglich sein. Ich werde jedenfalls vormittags gegen neun Uhr bei Dir eintreffen. Vielleicht brauche ich erst abends heimzukehren.

Sitzen wir dann zusammen in der Laube, wird Dir noch Mancherlei von seiner bevorstehenden Reise erzählen