Nach der erbaulichen Religionsstunde rechnete der dreizehnjährige Oberste der munteren Knabenschaar an der großen Wandtafel seinen aufmerksamen Mitschülern nach den einfachsten Regeln der Rechnenkunst ein schwieriges Exempel aus der zusammengesetzten Zinsrechnung vor.
Hierauf trug der jüngste Schüler der obersten Klasse den fremden Anwesenden vom niederen Trittbrete des schmalen Katheders herab in gelungenster Weise das lange Gedicht vom braven Manne vor.
Während dieses ganz vorzüglichen Vortrags warf der später eingetretene Bürgermeister der betreffenden Stadt von seinem entfernten Sitze aus dem wohlgeübten Declamator mit sichtlicher Freude wohlwollende Beifallsblicke zu.
Später entwickelten mehrere Knaben der ersten Abtheilung unter der geschickten Leitung eines gewandten Lehrers an der prachtvoll colorirten Wandkarte des neuen deutschen Reiches der strengen Prüfungscommission ihre bedeutenden Kenntnisse in der vaterländischen Geographie.
Gegen zehn Uhr zeigte ein dritter Lehrer des wohlgeleiteten Waisenhauses in einer kleinen Nebenstube unter einigen erläuternden Bemerkungen den erwachsenen Zeugen der öffentlichen Prüfung die von den verschiedenen Zöglingen der Anstalt gefertigten Papparbeiten.
Indessen folgten sämmtliche Zöglinge geräuschlos ihrem geschickten Turnlehrer als militärisch geordnete Reihen auf den geräumigen Turnplatz hinter dem wohlgepflegten Blumengarten des verdienstvollen Directors.
Hier zeigte binnen einer Stunde ein jeder den zahlreichen Zuschauern nach Kräften seine besondere Geschicklichkeit in der nützlichen Kunst des Turnens.
Schließlich machte der helle Klang der lieben Mittagsglocke vom nahen Thurme herab der munteren Arbeit plötzlich ein Ende.
Mit Schluß der gegenwärtigen Turnprüfung sprach der würdige Oberpfarrer der schöngelegenen Stadt gleich auf dem freien Platze neben den verschiedenen Turngeräthen ohne allen Rückhalt den fleißigen Schülern der wackeren Anstalt seine volle Zufriedenheit mit ihren heutigen Leistungen aus.