129. Unverstand.
(Ursache oder Sachgrund. Durch Verhältnißwörter.)
Auf dem Tische stand eine brennende Petroleumlampe. Das Oel darin war durch die Flamme warm geworden. Der Cylinder glühte vor Hitze. Da kam von ungefähr der zehnjährige Karl an den Tisch. Aus purem Unverstande blies er in die Flamme hinein. Durch den Luftdruck aber schlug dieselbe in den Ballon. Vermöge der plötzlichen Glut zersprang dieser.
Karl prallte vor Schreck zurück. Infolge des Knalles sprang sein Vater herbei. Glücklicherweise löschte er das Feuer sogleich durch Ueberschütten mit Asche.
Der unvorsichtige Knabe hätte von Rechtswegen tüchtige Strafe verdient. Auf sein inständiges Bitten aber erließ sie ihm der Vater. Wegen des gehabten Schreckens wurde Karl indeß noch denselben Tag ernstlich krank.
130. Lohn der Wißbegier.
(Beweggrund.)
Der junge Bauer Ehrenreich kaufte sich aus Wißbegierde ein Buch nach dem andern. Um der Bereicherung seiner Kenntnisse willen las er oft bis in die Nacht hinein. Wegen eines neuen Werkes konnte er bei dem schlechtesten Wetter den Weg in die ferne Stadt unternehmen. Seines Lerndranges halber legte er sich auch naturhistorische Sammlungen an. Später unternahm er sogar seiner Ausbildung halber größere Reisen.
Um seiner Kenntnisse willen ehrte man ihn daher auch in seinem Dorfe allgemein. Man zog aus Achtung die Mütze vor ihm ab. Seiner reichen Erfahrungen wegen betraute man ihn später mit verschiedenen Aemtern. Seines klaren Urtheils halber wählte man ihn endlich sogar zum Schulzen des Ortes. Kraft ihrer inneren Ueberzeugung hielten die Ortsbewohner ihn allein für geeignet dazu.
Und Ehrenreich füllte um der Wohlfahrt seines Vaterdorfes willen seine Stellung würdig aus. Nie handelte er aus Eigennutz. Nie stiftete er Gutes blos der Ehre halber.