Julius Neubert bekam die Frage, wie hoch der Brenner, der Simplon, der Schafberg, die Lausche und der Borsberg seien.

Theodor Wenzel hatte anzugeben, wo der Rhein, die Donau, die Weser und die Spree entspringen.

Der kleine Felix Brendel erhielt die leichteste Aufgabe. Er mußte Eigennamen von Hunden, Katzen, Pferden und Kühen angeben. Da sagte er denn, daß die Hunde Karo, Ammi, Schnacksel, Bello, Leo, Waldmann u. dergl. hießen; daß manche Katzen den Namen Peter, Schnurr oder Michel führten; daß man Pferde mit Rosa, Pollux, Hektor u. dergl. bename und einzelne Kühe Musel, Schecke, Brummkatharine, Mummel, „Stallmeister u. s. w. gerufen würden.“

8. Zweierlei Schüler.

(Gedankendinge.)

Emil war ein sehr braver Schüler. Er liebte die Pünktlichkeit und Reinlichkeit. Während des Unterrichts zeigte er die größte Aufmerksamkeit, um alles Gehörte im Gedächtnisse zu behalten. Wurde er gefragt, so gab er seine Antworten mit Ueberlegung und Anstand. Seine Schularbeiten fertigte er zu jeder Zeit mit Fleiß, Sorgfalt und der möglichsten Sauberkeit. Ueber jeden seiner Fortschritte bezeigte er Freude. Der leiseste Tadel bereitete ihm Schmerz.

Was aber trieb ihn zur Erfüllung seiner Pflichten? Die Liebe zu seinem Lehrer, die Dankbarkeit gegen seine Eltern und der Gedanke, daß Kindheit und Jugend schnell vergehen und daß man daher jede Gelegenheit benutzen müsse, sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.

Ganz anders dagegen zeigte sich Bernhard. Er ging mit Unwillen und Verdruß in die Schule. Auf dem Schulwege trieb er allerhand Unarten und Dummheiten, ja sogar Rohheiten. Obgleich er sich dadurch oft Verweise, Züchtigungen, Schimpf und Schande zuzog, zeigte er doch keine Besserung.

Auch in der Schule selbst ließ er sich viele Fehler und Vergehungen zu Schulden kommen. Plaudereien, Neckereien und Kaupeleien waren seine Lieblingsbeschäftigung. In seinen Gesichtszügen lagen List, Verschmitztheit und Tücke. Kam eine Bestrafung vor, so leuchteten aus seinen Augen Schadenfreude, Hohn und Spott.

Das Lesen, Schreiben und Rechnen war ihm eine Last. Ueberhaupt betrieb er alles Lernen mit Nachlässigkeit und Flüchtigkeit. So konnte es denn auch nicht fehlen, daß er wegen Faulheit und Liederlichkeit heruntergesetzt und endlich der Letzte in der Klasse wurde. Aber auch das bereitete ihm weder Kummer, noch weckte es Reue in ihm. Er blieb für den Lehrer eine Plage und seinen Eltern ein Kind der Sorge und des Herzeleids.