Es war ein heißer Julitag. Schon der Vormittag war schwül. Gegen den Mittag hin wurde es immer schwüler. Am schwülsten aber erschien die Luft etwa um drei Uhr. Schon den Spaziergängern wurde es heiß; noch heißer mußte es den Arbeitern auf den Bauen, am heißesten aber den Landleuten auf dem Erntefelde werden. Das Thermometer, das schon immer hohe Hitzegrade gezeigt hatte, stieg höher, bis es endlich nach Tische den höchsten Grad erreicht hatte.
Da zeigte sich am Himmel eine schwarze Wolke, die sich aber mit jeder Minute schwärzer färbte. Am schwärzesten erblickte man sie nach Osten hin. Zu gleicher Zeit erhob sich auch ein ziemlich starker Wind. Auch er wurde von Sekunde zu Sekunde stärker, bis er endlich, als er am stärksten wüthete, die gewaltige Wolkenmasse in Bewegung setzte. Schnell erhob sie sich. Zusehends schneller und schneller stieg sie empor und überzog in ihrem schnellsten Fluge ein breites Thal, das nach Süden hin immer breiter wurde und mit seinem letzten, breitesten Theile an ein waldiges Gebirge stieß.
Düster lagen Berg und Thal. Noch düsterer erschien der riesige Nadelwald. Am düstersten aber sah es in den menschlichen Wohnungen aus. Feurige Blitze zuckten durch das Dunkel hindurch. Noch feuriger erschienen dieselben, wenn sie die dunkelsten Wolkenschichten zum Hintergrunde hatten. Am feurigsten jedoch kam ein solcher Blitz den Landleuten vor, wenn er in einen nahen Teich oder einen noch nähern Baum oder wohl gar in die nächste Hütte fuhr.
Heftig strömte jetzt auch der Regen herab. Immer heftiger schlugen die gewaltigen Tropfen an die Fenster. Am heftigsten brauste gegen vier Uhr die Wassermasse hernieder. Bald schossen kleine Bäche wild durch die Felder dahin. Wilder noch stürzten die Waldgewässer die Abhänge herab; am wildesten aber donnerte der angeschwollene Fluß das Thal entlang, die stärksten Bäume entwurzelnd und die festesten Mauern durchbrechend, ja sogar die kleineren Hütten mit fortreißend.
Da endlich hatte das Unwetter ausgetobt. Blitz und Donner wurden schwach, der Regen noch schwächer. Endlich glichen die schwächsten Blitze nur noch einem fernen Wetterleuchten. Entsetzlich sahen die zerrissenen Felder aus. Noch entsetzlicher aber waren die Verheerungen in den Dörfern jenes fruchtbarsten aller Thäler des Landes. Den entsetzlichsten Eindruck indeß machte das Jammern und Wehklagen der ärmeren Bewohner, von denen viele den größten Theil ihrer Habe verloren hatten.
Gut waren die Leute weggekommen, deren Häuser weit vom Flusse lagen, noch besser die, deren Hütten an den Berglehnen standen, und am besten diejenigen, die auf dem Kamme des Höhenzuges wohnten. Sie hatten zwar auch viel Schaden gehabt, die an den Berglehnen aber weit mehr und die Thalbewohner den meisten.
19. Ein Begräbniß.
(Eigenschaftswörter ohne Steigerung.)
Die ehernen Zungen der Kirchenglocken schwiegen. Der Leichenzug war auf dem umfriedigten Gottesacker, wo alle die ewige Ruhe finden, angekommen.
Der hölzerne Sarg wurde von der umkränzten Bahre abgesetzt. Acht Träger trugen ihn stumm einem offenen Grabe zu. Auf dem schwarzsammtenen Leichentuche standen mit goldenen Buchstaben die Worte in einem silbernen Kranze: „Er ist erlöst und geht in seine wahre Heimat zurück.“