Es ist ja doch menschlich, sich einmal vergessen zu haben. Ebenso menschlich ist es, sich zu irren.
Sehr leicht ist es dagegen, Andere zu richten. Manchen scheint es ein wahres Vergnügen zu sein, fremde Mängel zu enthüllen. Gar Viele finden eine Freude darin, Anderer Fehler aufzudecken. Ein Splitterrichter zu sein, ist indeß kein Lob.
Es bleibt stets gefährlich, sich über Andere zu erheben. Sich selbst zu bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg. Sich selbst zu besiegen, ist der allerschönste Sieg.
Wiederholung.
(Vollständige und abgekürzte Subjectivsätze.)
56. Die Todten.
Daß man die Todten ehrt, ist eine löbliche Sitte. Ihr letztes Ruhebette zu schmücken, ist nichts Tadelnswerthes. Ihr Begräbniß feierlich zu gestalten, ist den Angehörigen ein Bedürfniß.
Wer aber hierbei die rechte Grenze überschreitet, dessen Verfahren verdient Mißbilligung. Es ziemt auch hierbei Maß zu halten.
Wirkliche Kleinode mit ins Grab zu geben, ist eine Verschwendung. Was der Sarg umschließt, ist ja für immer verloren. Der ruht deshalb nicht sanfter in der Erde, an dessen Fingern Diamanten funkeln. Was an dem Geschiedenen auf dem Paradebette blitzt, das erlischt im Grabesdunkel.
Todte zu ehren, ist löblich. Mit Todten Luxus zu treiben, ist verwerflich. Es wäre rühmlicher, „die Salbe“ zu verkaufen und den Armen zu geben.