Das Haus, das mir gehört, steht an einem Bache. Der Freund, welchen ich mein nenne, besitzt auch ein Grundstück. Das Grundstück, das ihm zu eigen gehört, liegt nahe am Walde.
Die beiden Besitzungen, die unser Eigenthum sind, haben beide ihre Vorzüge. Die Lagen, deren sie sich erfreuen, bieten mancherlei Reize. Ziemlich öde ist dagegen die Lage der Villa, die Du angekauft hast. Ein Gleiches gilt von dem Rittergute, das Dein Bruder inne hat. Die Asyle, die Ihr Euch da zu eigen gemacht habt, könnten mir nicht gefallen.
Der Geschmack, den ich in dieser Beziehung besitze, weicht eben von dem Eurigen ab. Die Wünsche, die ich in dieser Hinsicht hege, erstrecken sich auf eine romantische Umgebung. Die Ansprüche dagegen, die Ihr macht, beziehen sich mehr auf eine schöne Einrichtung im Innern der Gebäude.
65. Ein Todtenbette.
(Der Beifügesatz umschreibt eine Ortsbestimmung.)
Das Schloß, das inmitten eines wundervollen Parkes lag, war heute eine Stätte unendlichen Schmerzes. Der große Saal, durch den sonst heitere Musik rauschte, hatte müssen in eine stille Todtenhalle verwandelt werden. Das kostbare Fußgetäfel, über welches oft die geflügelten Füße fröhlicher Ballgäste glitten, trug heute einen Sarg. Dieser Sarg, um den herum unzählige Kerzen brannten, barg einen Jüngling.
Der Todte, auf dem Aller Augen mit tiefer Wehmuth ruhten, war der einzige Sohn des reichen Schloßbesitzers. Theilnehmende Verwandte hatten kostbaren Blumenschmuck gesendet, der vor dem Sarge in sinniger Ordnung aufgestellt war. Riesige Fächerpalmen, die man oberhalb des Hauptes angebracht hatte, bildeten eine Art Himmelbette.
An dem Betstuhle, der dicht neben dem Sarge stand, kniete ein betender Priester. Das Crucifix, das zu Füßen des Paradebettes lehnte, war umflort.
Des Jünglings Vater, der an einer nahen Marmorsäule lehnte, sah in stummem Schmerze vor sich nieder. Die Mutter, welche dicht hinter ihm stand, barg ihr thränenzerflossenes Antlitz in ihr weißes Taschentuch. Sogar des Todten Lieblingshund, der nicht von der Seite des Sarges wich, schien seinen Herrn zu betrauern.
Dieser Todesfall, der bei Alt und Jung die größte Theilnahme hervorrief, zeigte so recht die Ohnmacht des Reichthums. Dieser Schicksalsschlag, der ja doch von oben kam, machte all das irdische Glück der Schloßfamilie zu nichte. Er führte sie aber auch zur Demuth vor dem, der jenseits der Sterne wohnt.