66. Deutschland.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Zeitbestimmung.)

Der deutsch-französische Krieg, der nach verhältnißmäßig kurzer Zeit beendet war, ist für die deutschen Länder von großem Segen gewesen. Das Blut, das damals floß, ist nicht umsonst geflossen. Die verschiedenen deutschen Staaten, die es vorher gab, haben sich zu einem großen Ganzen vereinigt. Die vielen deutschen Heerkörper, die sonst unter ebenso vielen obersten Befelshabern standen, stehen nun unter einem einzigen Kriegsherrn.

Die mancherlei deutschen Stämme, die sich vor kurzem noch mehr oder weniger von einander absonderten, reichen sich jetzt die Bruderhand. Aus den einzelnen Gebieten, welche vordem zerstückelt umherlagen, ist ein einziges großes Reich erstanden. Das Deutschthum, das zeither von gewissen Nationen über die Achsel angesehen wurde, hat sich eine außerordentliche Geltung erobert. Selbst der gewöhnliche Mann, der sonst auf seine Angehörigkeit wenig Gewicht legte, fühlt sich jetzt als Deutscher.

Aber die Sonne, die nach jenem glücklichen Kriege über unser Vaterland aufgegangen ist, hat auch sonst noch große Veränderungen bewirkt. Die Milliarden, die noch heute als Kriegsentschädigung nach Deutschland einwandern, haben in der Verkehrswelt einen großen Umschwung hervorgebracht. Der Unternehmungsgeist, der allerdings den Deutschen stets innewohnte, hat gegenwärtig einen ungeheuren Anlauf angenommen.

Dadurch sind freilich die Arbeitskräfte, welche bisher in ziemlich genügender Zahl vorhanden waren, rar geworden. Infolge dessen haben sich die Arbeitslöhne, die vor dem Kriege mäßige waren, fast um das Doppelte gesteigert. In gleichem Maße sind die Lebensmittelpreise, wie wir sie im Jahre 1870 kannten, in die Höhe gegangen.

Doch das, was einst war, müssen wir vergessen lernen. Halten wir trotzdem unser liebes Deutschland, wie es jetzt ist, hoch und hehr.

67. Der Lebensmüde.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Art und Weise.)

Ein Greis, welcher unter vielen Lebensstürmen ergraut war, wollte sich in die Einsamkeit zurückziehen. Zu diesem Zwecke ließ er sich am Ende seines Vaterdorfes, dessen Häuser ziemlich zerstreut in einem Thale lagen, eine Hütte bauen. Diese Hütte, die er sich ganz nach seiner Weise einrichten ließ, sollte sein letztes Asyl im Leben sein.