Die Wände, die kaum die Dicke eines Mauerziegels hielten, wurden aus Lehm errichtet. Die Fenster, die beinahe wie Kerkerfenster aussahen, waren durchaus nicht auf viel Stubenhelle berechnet. Das Dach, welches man in einfachster Weise mit Stroh gedeckt hatte, reichte an der Hinterseite fast bis auf die Erde. Auch die innere Einrichtung der Wohnstube, in der man vergeblich nach dem kleinsten Luxus suchte, trug das Gepräge der größten Einfachheit.

Endlich zog der lebensmüde Greis, der längst auf die Vollendung der Hütte gewartet hatte, ein. Er, der lange genug im Schweiße seines Angesichts sein Brod gegessen hatte, pflegte hier nun der Ruhe. Um die Welt, der er unverdrossenen Sinnes seine Kräfte gewidmet hatte, kümmerte er sich wenig mehr.

Seine Welt war jetzt ein kleines Gärtchen, das er ohne alle Anstrengung mit Blumen bepflanzte. Sein treuester Freund war der alte Mops, der ihm beständig auf Schritt und Tritt folgte.

So floß sein Lebensabend, der bei aller Entbehrung doch noch manche stille Freude bot, ruhig dahin. Der stille Rückblick auf die Vergangenheit, die wie ein sturmbewegter See heute vor ihn lag, kürzte ihm die Zeit.

Endlich nahte seine Sterbestunde, der er schon längst ergebenen Sinnes entgegengesehen hatte. Sein Ende, das unter einem gläubigen Gebete erfolgte, war ein sanftes Entschlummern. Die Hütte aber, aus der man den Entschlafenen ohne Sang und Klang zur Ruhe trug, hieß von Stund an das Friedenshäuschen.

68. Vaterlandsliebe.

(Der Beifügesatz umschreibt einen Grund oder Zweck.)

Ein Bauer, der durch eine Erbschaft sehr reich geworden war, hatte einen einzigen Sohn. Diesen Sohn, für dessen Zukunft sich nun eine glänzende Aussicht eröffnete, liebte er mit rührender Herzlichkeit. Sein Gotthold, der wegen seiner guten Aufführung auch im ganzen Dorfe geliebt wurde, war sein größter Stolz. Uebrigens gehörte Gotthold, seines schlanken Wuchses halber, zu den schönsten Burschen der Umgegend.

Da brach ein Krieg herein, der zur Rettung des Vaterlandes geführt werden mußte. Der König, welcher kraft seiner Macht das Kriegsheer verstärken konnte, ließ sofort Rekruten ausheben. Einzelne junge Männer, die aus Furcht vor den Kriegsgefahren entflohen, wurden gewaltsam zurückgebracht. Viele Jünglinge indeß, die um des Vaterlandes willen gern ihr Leben einsetzen wollten, stellten sich freiwillig. Auch Gotthold, der überhaupt für den Soldatenstand schwärmte, eilte aus freiem Entschlusse zu den Waffen.

Wenige Wochen darauf wurde er dem Regimente, das zum Schutze der Hauptstadt bestimmt war, einverleibt. Sein schon betagter Vater, der vor Besorgniß um den einzigen Sohn keine Nacht ruhig schlafen konnte, holte täglich Nachricht über den Stand der Dinge ein.