Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.

Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.

Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe. Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.

Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.

Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.

81. Lebensregeln.

(Im 3. Falle.)

Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch einmal.

Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.

Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes Gewissen zum Troste dienen.