99. Ehre das Alter.
Der alte Römhild, ein achtzigjähriger Greis, saß eines Tages vor der Thür seiner Hütte. Wer ihn kannte, hielt ihn hoch in Ehren.
Ueber seinem Haupte, das die Silberkrone des Alters schmückte, war mancher Sturm hinweggezogen. Er war sich aber bewußt, daß ihn keiner vom Wege der Glaubenstreue abgebracht habe. Er durfte sich sagen, stets rechtschaffen gehandelt zu haben.
Daß er ein höchst ehrwürdiger Greis sei, war in der ganzen Umgegend bekannt. „Vor Vater Römhild,“ hörte man oft sagen, „sollte Jeder die Mütze abnehmen.“
Nicht so dachten zwei gottlose Knaben, deren Vater Frohnvogt im Orte war. Sie spotteten, daß der alte Römhild gar so gebückt dort saß. Sie wollten sich todtlachen, daß die zitternden Hände des Greises kaum das thönerne Tabackspfeifchen zu halten vermochten.
Was die beiden Buben thaten, schmerzte den Alten tief. Sein Grundsatz aber, demzufolge er auch alles Unrecht geduldig ertragen wollte, ließ in seinem Herzen keinen Groll aufkommen.
Ganz freundlich sprach er zu den Knaben: „Tretet doch einmal zu mir heran!“
Sie würden sich hüten, äußerte höhnisch der eine. Und der andere meinte, sie hätten nichts mit ihm zu schaffen.
Darauf nahm Vater Römhild, dem es um die Besserung der beiden Knaben zu thun war, zwei ganz neue Groschenstücke aus der Tasche. „Diese blitzenden Groschen sollt Ihr Euch bei mir holen“, sagte er.
Dieses Angebot reizte die Knaben, den Schritt zu wagen. Sie traten also hinzu.