aa) Bedingungssätze.
116. Der sterbende Vater.
Als Vater Aminth sein Ende nahen fühlte, ließ er seinen Sohn noch einmal an sein Bett kommen. Unter Anderem legte er ihm Folgendes ans Herz: Wenn es Dir nur irgend möglich ist, so sei dem Bedrängten ein Helfer. Hast Du viel, so gib reichlich. Wofern Du nicht mit einer That einstehen kannst, gib wenigstens einen guten Rath. Wäre auch dieser nicht möglich, so zeige Deine Theilnahme in einem tröstenden Worte.
Hast Du irgend ein Werk vor, so fange es mit Gott an. Wo der Herr nicht das Haus behütet, wachen ja doch die Wächter umsonst. Wenn Du stets deine Hauptstütze in dem Herrn suchst, wirst Du wohlfahren. Wolltest Du Dich aber zu sehr auf Menschenhilfe verlassen, würdest Du Dich oft getäuscht sehen.
Suche Dir vor allen Dingen selbst zu helfen, so wird Dir in vielen Dingen geholfen sein. Schicke Dich in alle Verhältnisse, dafern Deine Rechtschaffenheit nicht darunter leidet.
Falls Du gehorchen mußt, thue es mit Lust. Beuge sogar einmal Deinen Nacken, wenn es die Klugheit gebietet. Hast Du selbst zu gebieten, thue es mit Freundlichkeit. Müßtest Du auch einmal darben, bewahre Dir die Zufriedenheit. Fiele Dir Reichthum zu, so verfalle nicht in Hochmuth.
Würdest Du einmal verkannt, laß den Muth nicht sinken. Stießest Du je auf persönliche Feinde, gib nie dem Zorne Raum. Willst Du Dich an Deinen Beleidigern rächen, so vergib ihnen.
bb) Einräumungssätze.
117. Die Zunge.
Trotzdem die Zunge ein kleines Glied ist, kann sie doch großen Schaden anrichten. Obgleich dies eine allbekannte Sache ist, wird sie doch nicht immer beachtet. Ein einziges Wort kann ja sogar einen Weltkrieg heraufbeschwören, wiewohl ein Wort doch eigentlich nur ein flüchtiges Luftwellengebild ist.