Hauptwiederholung.
(Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Weise und des wirklichen Grundes.)
115. Der Apfelbaum.
Wo der Garten ziemlich zu Ende ging, stand ein Apfelbaum. Er hing so voll Früchte, daß sich seine Zweige weit herabbogen. Dieses reichen Segens hatte er sich deshalb zu erfreuen, weil er auf einem fetten Boden stand. Seine Aepfel glänzten, wie wenn sie in Gold getaucht wären.
Kaum waren sie völlig gereift, erhielt der Apfelbaum viel Besuch. Bevor der Kutscher in den Stall ging, holte er sich von ihm einige Aepfel. Sobald die Köchin früh aufstand, war ihr erster Gang zu diesem Apfelbaume. Sogar das Kindermädchen holte sich, während die Herrschaft speiste, einige der goldenen Aepfel.
Weil sich nun so viel Gäste einfanden, wurde der Apfelbaum stolz auf sich. Je mehr man an seinen Zweigen schüttelte, desto mehr wuchs sein Hochmuth. Mit aufgeblasenem Wesen richtete er jeden neuen Tag seine Blicke dahin, woher seine vielen Freunde kommen mußten. Dabei sah er auf andere Bäume um sich her so verachtend herab, als wären diese nichtsnutziges Gesindel.
Da sich indeß so viel Gäste fanden, schmolz sein Reichthum zusehends zusammen. Kaum waren zwei Wochen ins Land gegangen, hatte er nur noch drei Aepfel auf seinen Zweigen. Um dieser habhaft zu werden, warf ein Knabe mit einem Steine danach.
Da der Apfelbaum nun keine Früchte mehr hatte, kam ihm kein Mensch mehr zu nahe. Er stand da, wie ein von aller Welt Verlassener. Ohne daß er es natürlich gestand, schämte er sich jetzt seines ehemaligen Hochmuthes.
Wahre Freunde erkennt man daran, daß sie uns ohne Eigennutz lieben.
b) Mögliche Gründe.