Nachdem ein gutes Frühstück eingenommen war, verließ Theodor das Zimmer. Er wollte dem Hofe einen Besuch abstatten. Aber welches Leben entdeckte er hier! Welch buntes Treiben gewahrten seine Augen! Bunte Tauben pickten ihr Frühstück von der Erde auf. Eine alte Gans führte ihre Jungen dem nahen Teiche zu. Der Pfauhahn schlug ein Rad mit seinem Schweife. Schwalben bauten Nester unter das Dach. Junge Schweine durchwühlten den Düngerhaufen. Ammi, der Haushund, jagte den alten Kater über den Hof. Der Kettenhund bewachte eifrig das Thor und wollte seine Kette zersprengen, wenn er einen fremden Menschen gewahrte.
Hier schirrte ein Knecht die Pferde ein und bespannte dann den Wagen. Ein anderer führte ein schmuckes Füllen aus. Ein dritter wetzte die Sense. Dort, auf einer Tenne, drasch man Getreide. Auf einer andern reinigte man Korn. Auf einer dritten siebte man Weizen.
Auch die Kuhställe boten viel Unterhaltendes. Die Großmagd fütterte die Kühe. Die Mittelmagd streute ihnen frisches Stroh unter. Die Kleinmagd melkte die Ziege. Ein Ziegenböcklein neckte unaufhörlich seinen Nachbar, ein scheckiges Kälbchen. Eine Heerde Kaninchen knapperte frische Krautblätter. Oben im Hühnerstalle saßen zwei Hühner und legten Eier.
Theodor durchstreifte jetzt auch den Garten. Wohin er sein Auge richtete, entdeckte er auch hier immer neue Bilder. Und so gewährte ihm das Landleben außerordentlich viel Freuden. Zuletzt wußte er nicht, sollte er das Stadt- oder das Landleben mehr loben.
43. Nach der Schlacht.
(Unbezügliche Zeitwörter.)
Die Waffen ruhen. Die Kanonen schweigen. Ihre Mündungen gähnen stumm in die Nacht hinaus. Die Reiter sitzen ab. Kein Säbel blitzt mehr im Sonnenglanze. Keine Flintenkugel heult und summt und zischt mehr durch die Luft. Die Soldaten hungern und dursten. Die Müdigkeit aber ist mächtiger als Hunger und Durst, und so liegen sie umher und schlafen. Nur der Wachtposten steht und lugt aufmerksam nach dem Schlachtfelde.
Dort sitzt freilich noch Mancher und blutet. Dort liegt noch Mancher und stöhnt und jammert. Wohl lächelt der Sieg, wohl duftet schon der Siegeskranz, aber die Schmerzen der Wunden wüthen immer ärger und ärger und lassen keine Freude aufkommen. Viele der Armen wachen und wimmern die ganze Nacht, ohne daß ihnen Hilfe werden kann. Ihre Hoffnung auf Rettung schwindet endlich. Hunderte verscheiden noch. Die Zahl der Todten wächst mit jeder Stunde.
Alle Aerzte sind beschäftigt, die Verwundeten zu verbinden. Ein Wagen nach dem andern fährt vor den Lazarethen vor, die Unglücklichen herbeizubringen. Die Sanitätssoldaten schwitzen bei ihrer anstrengenden Arbeit. Ganze Reihen mit Tragen, auf denen Verwundete liegen, kommen daher. Ja, das Elend nach einer Schlacht ist groß. Millionen jubeln und Tausende bluten!