(Unpersönliche Zeitwörter.)
In einem einsamen Felsenthale stand eine kleine, ärmliche Hütte. Darin saßen an einem schwülen Sommertage die Bewohner derselben, eine arme Bergmannsfamilie, bei ihrem Abendbrode.
„Es wird wol heute Abend noch regnen“, sagte der Vater. „Es umwölkt sich nach Sonnenuntergang zu.“
„Leicht möglich“, erwiderte die Mutter, „es hat schon lange mit Regen gedroht.“
„Es wird wol gar ein Gewitter geben“, sagte einige Minuten später der älteste Knabe. „Es blitzt schon und — höre ich recht — es donnert auch bereits in der Ferne.“
Daraufhin ging der Vater hinaus, um nach dem Himmel zu sehen. „Es kann ein hartes Gewitter kommen“, meinte er bei seiner Rückkehr. „Es tost und braust gewaltig in der Ferne. Und oben in den Tannen rauscht und heult es, als ob das wüthende Heer im Anzuge wäre.“
Binnen einer Viertelstunde stand das Gewitter über dem Thale und ein furchtbarer Sturm brach los. „Hört nur“, sagte die Mutter bänglich, „wie es draußen tobt und saust und wirthschaftet! Es gießt wie mit Gießkannen! Hu! wie es den Hausgiebel peitscht und wie es an die Fenster schlägt! Still! Krachte es nicht jetzt auf dem Dache?“
Alle lauschten. „Der Sturm wird einen Balken losgelöst haben“, sagte der Vater. „Hört nur auch, wie es in den alten Schindeln rasselt und hämmert und klappert! Das Dach wird morgen gut aussehen.“
Kaum hatte der Vater diese Worte gesprochen, zuckte ein mächtiger Blitz durch die Nacht und gleich darauf folgte ein furchtbarer Schlag. „Jetzt hat es sicher eingeschlagen“, rief der zehnjährige Gotthelf entsetzt.
„Sei nur ruhig, mein Sohn“, tröstete die Mutter, „es täuscht dies auch oft.“