„Horch!“ versetzte bald darauf der ältere Knabe. „Es läutet drüben auf der Kapelle. Es muß irgendwo brennen!“
„Es schlägt vielleicht bloß zehn Uhr“, entgegnete der Vater.
„Nein, nein“, sagte jener wieder, „ich höre es ganz deutlich, daß es stürmt.“
Wieder gebot jetzt die Mutter, aufzuhorchen. „War mir’s doch“, sagte sie, „als ob es draußen unter den Fenstern wimmere! Ja, ja, ganz sicher! Es wimmert und weint und schluchzt! Horcht! Jetzt klopft es an die Thür! Wer mag das sein?“
Der Vater eilte hinaus und brachte einen Bettler mit seinem jammernden Kinde herein. Der Arme hatte sich verirrt und bat um Obdach für diese Nacht, was ihm gern gewährt wurde.
Es wetterte, schloßte und hagelte wohl noch eine Stunde fort. Erst gegen Mitternacht verzog sich das Gewitter und ließ die armen Leute zur Ruhe gehen.
46. Auf dem Spielplatze.
(Abwandlung der Zeitwörter nach den Personen.)
„Ich spiele gern Soldaten“, sagte Bruno, als eine Anzahl Knaben beriethen, womit man sich unterhalten wolle. „Aber ich weiß schon“, wendete er sich an Karl, „Du spielst lieber Jagd. Und Otto dort hat auch keine Lust dazu. Er spielt am liebsten Räuber.“
„Nun, wißt Ihr was“, sagte Otto, „damit Jeder freie Wahl hat, theilen wir uns in drei Gruppen. Wir spielen Räuber und Ihr dort spielt Soldaten.“