Nachdem sie etwa eine Stunde hin und her und auf und nieder geirrt waren, fingen sie an zu rufen. Sie riefen überall hin, aber von keiner Seite kam eine Antwort. Und wieder liefen sie bald hierhin, bald dorthin, nach einem Ausgange suchend.

Schon ging die Sonne unter und Dämmerung sank in den Wald herab. Da wurde den Knaben ernstlich bange. „Westlich“, sagte Lorenz, „dürfen wir unbedingt nicht weiter gehen. Wir müssen uns ostwärts halten. Auch dürfen wir nicht aufs neue aufwärts, sondern müssen abwärts steigen.“

„Weißt Du was“, erwiderte Albert, „laß uns hier, rechts von dieser Felswand, hinabklettern. Ich glaube, dort unten muß unser Thal liegen.“

Lorenz stimmte diesem Vorschlage bei und so kletterten die Knaben den Abhang hinunter. Lorenz, als der Aeltere, stieg voran, Albert dagegen hielt sich mehr hinten.

Der Weg war nicht ungefährlich, denn es rollten sehr oft Steine von oben herab, auch gab es links und rechts kleine Schluchten.

Nach einem halbstündigen Marsche gelangten sie endlich, zu ihrer großen Freude, hinab in ein breites Thal. Hier sahen sie ein Licht von drüben herüberschimmern. Auf dieses Licht steuerten sie zu. Unterwegs stießen sie indeß noch auf ein Hinderniß, auf einen ziemlich breiten Bach. „Hilft nichts“, sagte Lorenz, „hier heißt’s: Hindurch und hinüber! Wenn wir auch unten ein wenig naß werden.“

Bald war das Licht und mit ihm eine Hütte erreicht. Das Licht stand vorn an einem kleinen Fenster. Daneben saß ein alter Waldarbeiter und las in einem Kalender. Er schien mitten in einer schönen Erzählung zu sein.

Die Knaben klopften an. Augenblicklich kam der Alte heraus. Kaum hatte er das Mißgeschick der Knaben vernommen, zündete er eine Laterne an und brachte die Verirrten eine Stunde weit das Thal dahin in ihr Vaterdorf zurück.

56. Ein Brief.

(Umstandswörter der Zeit.)