60. Die Landbewohner.
(Umstandswörter der Aussageweise.)
„Es ist durchaus unrecht“, sagte eines Tages Vater Wolfram zu seinen Kindern, „daß manche Städter die gewöhnlichen Landleute mißachten. Diese haben freilich keine hohe Schule besuchen können. Sie sprechen kein regelrechtes Deutsch. Sie gehen nicht in Sammt und Seide einher. Sie kleiden sich überhaupt keineswegs stets nach der neuesten Mode. Sicher aber sind sie trotzdem ganz ehrbare Leute.
Es finden sich wohl unter den Landbewohnern zuweilen rohe Naturen. Aber sind dergleichen etwa innerhalb der Stadt vergeblich zu suchen? Vielleicht trifft man gerade in den Städten oft mehr Ungeschliffenheit unter dem niederen Volke, als auf dem Lande. Jedenfalls darf sich keine Stadt rühmen, lauter anständige Bewohner zu zählen. Wir Städter würden es sicherlich bitter empfinden, wenn die Landleute uns einmal ihre Dienste versagen wollten. Wer Vorrath an Lebensmitteln hätte, könnte es allenfalls einige Wochen mit ansehen. Die Anderen aber würden wahrscheinlich sehr bald flehentlich bitten: Kommt wieder, Ihr lieben Bauern und bringt uns Brod, wir müssen ja sonst verhungern!
Darum, Kinder, fragt Euch, ob Ihr vielleicht auch einmal verächtlich auf jene Leute hingeblickt habt. Und wäre es ja der Fall gewesen, so dürfte das schlechterdings nicht wieder vorkommen.
Möglicherweise gehe ich in nächster Zeit mit Euch einige Tage auf das Land, dann werdet Ihr Euch gewiß selbst überzeugen, daß die Landbewohner wirklich allermeist kreuzbrave Leute sind, die unbedingt unsere Achtung verdienen. Wer freilich stolz auf sie herabblickt, dem begegnen sie allerdings nicht selten mit Mißtrauen.
Werdet Ihr sie bei ihrer schweren Arbeit auf dem Felde sehen, denkt Ihr gewiß bei Euch: Nein, um dieses Loos sind sie wahrlich nicht zu beneiden! Und doch, Kinder, hört man sie fast nie klagen, daß sie so recht im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod essen müssen.“
61. Die Staare.
(Umstandswörter der Frage.)
„Was sind denn das für Kästchen, die dort auf den Bäumen hängen?“ fragte der kleine sechsjährige Gustav seinen Vater, mit dem er eben an einem Garten vorüberging.