Die kleine Emma war krank. Der heftige Pulsschlag bekundete Fieber. Die vollen Wangen glühten. Das große Auge lag geschlossen. Die feuchten Hände zitterten.
Zwei Aerzte behandelten das Kind. Mehrere Arzneiflaschen standen auf dem Tische. Auch etliche Pulverschächtelchen waren zu sehen.
Die treusorgende Mutter wich nicht von dem Bette. Ihr weinendes Auge ruhte unverwandt auf der Kranken. Ihre pflegende Hand war jederzeit zur Hilfe bereit.
Die verordneten Wärmegrade in der Stube wurden streng erhalten. Die verhangenen Fenster schufen Dunkelheit. Das gedämpfte Licht aber hatte etwas Unheimliches. Der vorgeschriebene Thee stand fortwährend über einem Spiritusflämmchen. Die zu verbrauchende Arznei dagegen schwamm in einem Glase mit Brunnenwasser.
So waren alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Keine Veränderung an dem Kinde blieb unbeachtet. Die zu hoffende Genesung ließ indeß lange auf sich warten.
„Unser Kind ist noch sehr krank“, klagte die Mutter oft den Aerzten. „Sein Bewußtsein scheint oft zu schwinden. Seine Hände sind bald warm, bald kalt. Meine Emma wird doch am Ende noch sterben! Ach, mein Herz würde es kaum ertragen! Unser Lebensglück sänke mit ihr ins Grab. Dieses Kind hat uns nie betrübt. Ein solcher Edelstein könnte uns nie wieder ersetzt werden!“
Die theilnehmenden Aerzte trösteten sie. „Der liebe Gott wird Ihnen schon das Kind erhalten“, sagten sie. „Die allmächtige Gotteshand hat ja schon oft Wunder gethan. Sein Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könnte.“
Und der treue Himmelsvater half. Das tückische Fieber wich endlich. Die arme Emma konnte das Bett wieder verlassen. Stärkende Nahrung gab ihr bald wieder Kräfte. Kleine Spaziergänge erzeugten wieder Heiterkeit. Die frische Luft hauchte wieder Rosen auf die Wangen.
Herzinniger Dank stieg von den Mutterlippen zum Himmel empor.