Unser junger Storch auf dem bemoosten Dache der alten Scheune lugte neugierig in die Welt hinaus. Dieser anerkannte Liebling aller erwachsenen Glieder unserer großen Familie war etwa drei Monate alt. Ein neckischer Einfall des ältesten Knechtes meines guten Vaters gab ihm den Namen Davidel. Dieser sonderbare Name des jungen Storches unseres kleinen Gutes wurde bald im Dorfe bekannt. Sogar einige große Knaben aus dem nahen Nachbardorfe des freundlichen Gebirgsthales hatten ihn erfahren.

Das drollige Benehmen des schmucken Kindes unseres bejahrten Storchpaares wurde oft belacht. Am meisten freuten sich über ihn die beiden bausbäckigen Mädchen des neuen Pfarrers unserer zahlreichen Gemeinde. Auch die drei erwachsenen Söhne des reichen Barons auf der reizenden Villa am romantischen Dorfende sahen zuweilen stundenlang seinem Gebaren zu.

Die fürsorgenden Eltern unseres lieben Freundes mit den dünnen Klapperbeinen brachten ihm des Tages mehr als einmal einen Frosch. Ein solcher fetter Braten aus dem sumpfigen Grunde des fernen Erlenwaldes war ihm stets sehr willkommen. Der endliche Tod eines solchen Quakers während der tiefen Stille warmer Sommernächte war übrigens ein kurzer. Das verzweifelte Zappeln der grünen Beine des armen Schluckers dauerte kaum eine Minute.

Unsere stille Freude an dem munteren Firstenbewohner der niederen Scheune nahm indeß plötzlich ein Ende. Sein erster Ausflug auf die umliegenden Wiesen unserer umfangreichen Flur brachte ihm den Tod. Die sechs scharfen Krallen eines gierigen Raubvogels aus dem zwei gute Stunden entfernten Felsengebirge umklammerten ihn. Ein wuchtiger Stoß des mörderischen Schnabels jenes mächtigen Ungeheuers durchbohrte ihm die Hirnschale.

B. Erweiterung des Prädikates.

87. Wilhelm.

(Das Prädikat ein Hauptwort mit Beifügung.)

(Aus einem Briefe.)

Wilhelm hat einen hellen Kopf. Sein Wesen hat viel Einnehmendes. Er war stets ein Muster der Schule. Er ist deshalb auch der Liebling des Lehrers. Bald wird er der Oberste der Klasse werden. Diese Beförderung ist dann sein Lohn. Sie ist auch meine Freude. Wilhelm ist ja mein Freund.

Wilhelm wird einmal Lehrer der Rechnenkunst. Er hat auffallende Lust dazu. Gewiß wird er ein Rechnenlehrer ohne Tadel. Vielleicht wird er gar einmal der Rechnenmeister Adam Riese der Zweite.