„Ganz besondere Freude“, erzählte Otto unter Anderem, „hat mir ein Gang über die große, alte Elbbrücke gemacht. Nein, was man da doch binnen weniger Minuten für eine Menge Menschen sieht! Hier rasselt ein schöner, herrschaftlicher Wagen dahin, einen Kutscher und einen Bedienten auf dem Bocke. Darin sitzt ein feiner Herr oder auch eine vornehme Dame, zuweilen auch nur eine Kinderfrau oder eine Amme mit den Kindern eines Grafen oder eines Barons. Dort zieht eine Bauerfrau mit ihrer Tochter oder Magd einen Milchwagen. Hier knallt ein Droschkenkutscher auf seinen müden Gaul; dort bläst ein Postillon in sein Horn. Botenfrauen, Köchinnen, Dienstmänner und Dienstmädchen schleppen schwere Körbe und Paquete auf ihren Schultern dahin. Briefboten und Polizeidiener eilen hinüber und herüber. Greise und Kinder, Männer und Frauen, Fremde und Einheimische, reiche Leute und Bettler ziehen in buntem Gemisch dahin. Besonders viel Soldaten sind mir begegnet. Ich sah Generäle, Hauptleute, Feldwebel, Tamboure, Signalisten und Fahnenträger. Auch Schützen, Jäger, Grenadiere, Gardisten, Ulanen und Dragoner gingen an mir vorüber. Sogar der König mit der ältesten Prinzessin kam gefahren. Ein Vorreiter bahnte ihm den Weg und zwei Lakaien standen hinten auf seinem Wagen. Natürlich zogen alle Leute, vom reichsten Kaufmanne bis zum ärmsten Schusterjungen herab, die Hüte und Mützen, als der Landesvater vorüberfuhr.

Gewiß waren es an fünfhundert Personen, die ich auf diesem einzigen Gange über die Brücke gesehen habe.“

2. Beim Onkel auf dem Lande.

(Thiere.)

Robert war einen Tag auf dem Lande gewesen. Er hatte seinen Onkel besucht, der eine große Oekonomie besaß.

Als Robert am Abende nach Hause kam, sagte er zu seinen Geschwistern: „Heute habe ich aber so viel verschiedene Thiere gesehen, wie noch nie.“

„Nun, so erzähle uns doch“, baten die Geschwister, „was Du für Thiere gesehen hast.“

„Als ich an des Onkels Haus kam“, begann hierauf Robert, „bellten mich ein schwarzer Pudel und ein Affenpinscher an. In dem Hausflur kauerte eine graue Katze und verzehrte eben eine Maus, die fast so groß war, wie eine Ratte. Ich trat in die Stube ein. Hier saß ein Rothkehlchen auf dem Spiegelrahmen und verspeiste eine Fliege. Am Fenster hing ein großer Käfig, in welchem ein Zeisig, ein Stieglitz und ein Canarienvogel auf- und abhüpften. Unter dem Ofen spielte ein Meerschweinchen mit einem jungen Hunde.

Aber nun erst auf dem Hofe! Hier führte ein Hahn seine Hühner spazieren. Dort lockte eine alte Henne ihre Küchlein herbei, weil sie ein Würmchen gefunden hatte. Vor der Scheune stolzirte ein Pfau auf und ab. Ein schwarzer Truthahn zankte sich mit einem alten Gänseriche um ein Stückchen Brodrinde. Ein ganzes Heer Enten und Gänse watschelte zum Thore hinaus, dem nahen Teiche zu, wahrscheinlich, um dort Frösche, Eidechsen und kleine Fische zu fangen. Auf den Dächern zwitscherten Schwalben und Sperlinge um das Nest eines Storches. Nicht weit davon saßen eine Menge Tauben und spähten ängstlich in die Luft hinaus, ob sich etwa ein Falke oder Stößer oder ein andrer Raubvogel sehen lasse. Vor der Elster, die im Hofe umherhüpfte, schienen sie sich nicht zu fürchten.

Sogar im Wassertroge gab es Thiere. Hier schwammen Karpfen, Hechte, Aale und Schleien und auf dem Grunde krochen Krebse.