Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder um einige Thaler bereichert. Da erklärte sich der eitle Knabe für den Ankauf einer Taschenuhr. Bald auch setzte er sich in den Besitz einer solchen Zeitmesserin. Fast alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber wunderte er sich über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte Zeit. Sie ließ sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.

Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.

Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war schlecht.

Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um sein schönes Geld gebracht.

Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über seine Thorheit.

105. Großmuth.

(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)

Ein schwer verwundeter Zuave entsendete einem deutschen Freiwilligen noch einen Schuß. Der Freiwillige hätte dem braunen Gesellen eine Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher das Herz durchbohrt haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen Feinde die That. Er entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm den Säbel ab. Darauf aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.

Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen Brod!

Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar seinen Arm an.