Judas war schon längst des Geizes verdächtig. Er war nie der Armen eingedenk. Sein Herz zeigte sich alles Mitleids quitt.
Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld seines Herrn unwürdig.
Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.
Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. Einer Belohnung ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.
Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.
110. Strenge Zucht.
(Dritter Fall.)
Strenge Zucht ist manchem Kinde lästig. Schon ein leiser Tadel ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.
Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.