Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse. Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.

Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters. Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein fast einen Centimeter breiter Riß.

So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm das Bild der Armuth entgegen.

116. Sturax.

(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)

Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er hieß Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die besten Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafe links dahin. Bald führte er sie rechts. Jetzt mußten sie vorwärts gehen. Nach einer Weile drängte er sie seitswärts. Er selbst rannte dabei stets hin und her. In diesem Augenblicke eilte er dorthin, im nächsten jagte er wieder hierhin.

Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen. Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel. Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.

An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas. Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und thalab.

Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter. Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach allen Seiten hin.

So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall hinein.