Den 21sten Sept. Abends. – Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war gewöhnlich nur mäßig-heftig, – verstärkte sich aber sehr oft auf eine stürmische Art und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische Wind selbst, nur von kurzer Dauer waren; –der Himmel war meistens trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen (Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen und bis zum Steuerruder spritzten.

Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. – Den 21sten von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren; auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West und zuletzt selbst aus Süd-West. – Wir glaubten am 21sten Abends uns nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West, konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte. Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und muß dann abreisen, auch wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. – Wir hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind, Wellenschlag, Strömung – Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts gekommen.

Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine Veränderung war vorgefallen.[17] – Nur am 14ten Vormittags, als wir uns noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend erreichte und faßte, – und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde, so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der gewiß ¾ englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. – Als nach einem halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.

Endlich! – den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, – nämlich das seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die Insel Ceylon der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig gekerbten Saum hatte. – Unser Cours war West und der Wind wie an den vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.

Die Küste schien sich von Nord-Ost nach Süd-West hinzuziehn, denn wir rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7½ Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte. Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das Gestade bedeckten.

Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal, dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden hätten. – So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem balancirenden Bambusrohr versehen. – Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren Ostecke wir um 7½ Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, – der oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte. Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden vielleicht aus Sandstein.

Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl. Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden vermochten. – Von 9½ Uhr an war der nächste sichtbare Theil des Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu ausgebreiteten Hügeln erhob, ein mehr verflachtes, als wellenförmiges Hügelland bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon seit 7½ Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so weit man sehen konnte.