Erstaunend ist die Arbeitsamkeit seiner letzten Lebensjahre.
Aus dem vollständigen Verzeichnisse seiner Kompositionen seit dem Jahre 1784 bis zu seinem Tode, in welches er mit eigener Hand das Thema eines jeden Stückes und den Tag der Vollendung eintrug, sieht man wie viel er oft in einem Monathe gearbeitet hatte?[18] Nur die Größe und Fruchtbarkeit seines Genies macht die Möglichkeit so vielfacher Arbeit begreiflich. So schrieb er innerhalb der 4 letzten Monathe seines Lebens, wo er schon kränkelte, und Reisen machte:
- 1) Eine Klavierkantate: »Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt.«
- 2) Die Zauberflöte.
- 3) La Clemenza di Tito.
- 4) Ein Klarinett-Konzert für H. Stadler.
- 5) Eine Kantate für ein ganzes Chor.
- 6) Das Requiem.
Eine ungeheure Anstrengung, die seine Kräfte erschöpfen mußte!
So wurde Mozart ein Wunder seiner Kunst, der Liebling seines Zeitalters! Sein kurzes, aber glänzendes Künstlerleben macht in der Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche.
Der große, feurige Geist, der in seinen Werken waltet und der volle Strom der Empfindung reißen jedes gefühlvolle Herz mit unwiderstehlicher Gewalt hin. Der süße Zauber seiner Harmonien entzückt das Ohr; die Fülle der Gedanken, das Neue in ihrer Ausführung machen das Gefallen seiner Musik dauerhaft. Wer einmal an Mozart Geschmack gefunden hat, der wird durch andere Musik schwer zu befriedigen seyn. Und alle diese Vollkommenheiten hat er in einem Alter erreicht, das für gewöhnliche Künstler kaum der Zeitpunkt der ersten Ausbildung ist! Da er starb, hatte sein Ruhm bereits eine Größe, wie sie nur selten auch der glücklichste Künstler hoffen darf – und wie kurz war sein Leben? Er hatte noch nicht das 35te Jahr vollendet, als er starb! Was würde sein unerschöpflicher Geist der Welt noch geliefert haben? – –
Wär er nach England gegangen – sein Ruhm würde neben Händels unsterblichem Namen glänzen: in Teutschland rang sein Geist oft mit Mangel; seinen Grabeshügel zeichnet nicht einmal eine schlechte Inschrift aus! –
Auf seinen Tod erschienen mehrere Trauer-Kantaten; darunter zeichnen sich zwey aus, vom Herrn Wessely und Karl Kannabich dem jüngern aus München.
Einfach und edel war das Fest, welches die Hörer der Rechte zu Prag in ihrer musikalischen Akademie, bey der Anwesenheit der Wittwe im Jahre 1794 Mozarts Andenken weiheten; es wurde durch ein Gedicht verherrlichet, welches den Profess. Meinert zum Verfasser hat. Ein Paar Stanzen daraus verdienen hier allerdings einen Platz.
Ach! er ward uns früh entrückt,
Der die Saiten der Empfindung,
Wie ihr Schöpfer kannt’ und griff;
In harmonische Verbindung
Ihre kühnsten Töne rief:
Jetzt ein Gott in seines Zornes
Donner rauschend niederfuhr,
Itzo lispelnd wie des Wiesenbornes
Welle floß in stiller Flur.