Abend ist's geworden. Beide merken es kaum. Ohne sich erst noch nach einem anderen Asyl umzusehen, wenden sie sich dem verfallenen Ställchen zu, das ihre einzige Schnucke beherbergt. Platz genug werden sie finden, um sich auszustrecken. Jachl fegt mit einem dicken Strauchbesen die Schlafstelle sauber, bevor er ein paar alte Tücher, die Nachbarsleute herbeischleppten, auf den Boden wirft. Wenige Minuten nur und beide schlafen. Sie besitzen nichts, auch nicht Nerven, die sie ruhe- und schlaflos machen könnten.

Durch die kleine Luke fällt ein Mondstreifen. Friedlich schnarchen Ohm und Jachl. Sie scheinen zu lächeln: der Kleine vielleicht, weil er weiß, daß er einen Beschützer hat, und der Alte, weil er fühlt, daß er auf Erden noch jemandem nötig ist. --

Erst der nächste Morgen zeigt ihnen deutlich, was sie verloren haben. Wie in die Trümmer eines Palastes schauen sie auf ihre vernichtete Hütte.

Ohne langes Besinnen fängt Jachl an mit einem Beil zwischen dem Schutt zu rühren. Zu heiß ist er noch für seine Hände. Jeden Scherben, den er aus der glühenden Asche holt, begrüßt er glückselig. Behutsam legt er ein Stück auf das andere. Einen ganzen Berg schichtet er rasch auf; wie ein Schatzgräber jubelt er bei jedem Fund.

Im Dorf wundern sie sich sehr über soviel Schlechtigkeit. Sie wissen ja nichts von der Seele eines Kindes; auf so Kostbares verstehen sie sich nicht. Höchstens meint der eine oder der andere entschuldigend: »Er is ja noch zu klein«, oder: »Er weiß doch nicht, was er angerichtet hat«, oder: »Gott sei Dank, daß er nicht meiner is.«

Mittags, als der Ohm von der Arbeit heimkehrt, gräbt Jachl immer noch so eifrig, wie wenn er sich die schönste Burg baue. Trotz allen Bemühens bleiben die beiden aber von jetzt ab Stallbewohner. Zum Wiederaufbauen der kleinen Hütte langt des Alten Beutel nicht. So voll wird seine Kasse auch niemals werden. Der Ohm ist schon zufrieden, etwas Ähnliches wie eine Stube an den Stall geklebt zu haben. Eine Kochgelegenheit töpfert er auch zurecht.

Um den Jachl haben alle ein paar Tage einen weiten Bogen gemacht. Rasch ist der Bogen kleiner geworden. Seine Freunde wissen eine Weile nicht, ob sie ihn nun als Helden, Indianer oder Bösewicht behandeln sollen. Jedenfalls rufen sie den Stallbewohner nur noch neckend »Scheper«. Und weil sie wissen, daß dieser Schäfer nichts zu hüten hat, brüllen sie höhnend:

»Scheper, Scheper, dudeldei,
Lät de Schap in unse Wei (Weide).«

Jachl hat aber nicht lange Zeit, sich über ihr Gebrüll zu ärgern. Er wird in die Schule geschickt. Ein anderes Leben beginnt. --