»Ja, denn gib ihn mir man mit, Lieschen; da ist gar nichts bei zu besinnen.« --


Zusammen gehen sie die Treppe herunter. Lieschen schluchzt. Das Kleinste übergibt sie einer Nachbarin. Für den kümmerlichen Matten ist es wohl Glück, aber auch Glück kommt -- besonders für Mütter -- oft wie Schmerz und ist nicht immer gleich zu erkennen. --

Lieschen hat ihren Jungen auf den Arm genommen. Zwischen vielen Menschen kommt er auf seinen eigenen Beinen schlecht vorwärts. Jachl geht wie ein richtiger Ehemann neben ihnen.

Bis zum Abendzug kann er noch viel besorgen. Er will gleich noch heute fort. Wohin sollte er hier mit dem Kinde? Und für Lieschen und ihn ist langes Hinziehen unklug. --

Zuerst gehen sie in ein Warenhaus und kaufen Matten ein bißchen Zeug. Lieschen muß sich auch ein fertiges Kleid aussuchen. Jachl besteht darauf.

Was hätten sie sich alles zu sagen! Wochen würden nicht ausreichen. Aber in solchen Stunden ist Reden das Schwerste. Zwischen Klugen und Dummen hört da jeder Unterschied auf. Allen liegen Steine auf den Herzen und Schlösser vor den Lippen, und die schöne Zeit geht unbenützt vorüber. --

Ohne es erst zu verabreden, bleiben sie bis zur Abfahrt beisammen. Viel Stunden sind es nicht. Eine Woge, die ihm fast Schwindel verursacht, geht Jachl durch die Brust. -- --

Lieschen kniet vor der altersgrauen Truhe. Sie packt alles schön ordentlich zusammen. Die heilige Genoveva klebt so fleckenlos im Deckel, als habe sie nicht schon vor Jahren Jachl auf die Reise ins Leben begleitet. Aber mit dem schönen Spruch: »Fürchte dich nicht, glaube nur!«, der auch noch unbeschädigt im Deckel befestigt ist, mit dem hat es doch nicht seine Richtigkeit gehabt. Der Vers ist mehr für den Himmel geschrieben, als für die Erde. Und für Berlin überhaupt nicht.

Später sitzen sie einsilbig in einem Gasthaus nebeneinander. Essen muß der Mensch. Eisbein und Sauerkraut ist doch Lieschens Lieblingsgericht. Ein gehäufter Teller steht vor ihr. Es schmeckt ihr aber nicht. Die mitgeschluckten Tränen drücken zu sehr auf den Magen.