Um sechs Uhr sind sie am Bahnhof. Wieder viel zu früh; genau wie damals, als Lieschen die Fahrt nach Lüneburg antrat. Jachl hat Lieschens Hand genommen. Angefaßt mit ihr zu gehen, war ja immer sein höchster Wunsch. Fest hat sie seine Finger umklammert.
»Wenn die Zeit doch nicht so rasch herum wäre.« Nur das können sie denken. Haben aber Denken und Wünschen schon je einen Zug aufgehalten? Auch der für Jachl bestimmte braust unbarmherzig heran. Zwei Hände fallen auseinander -- schwer und langsam -- --
Rasch ist ein Abteil gefunden. Lieschen langt Matten hinein. Noch einmal steigt Jachl aus und küßt ruhig die Frau, die, fast so lang er denken kann, zu ihm gehört, und die doch nie wirklich sein gewesen. --
Fahrplanmäßig geht alles weiter -- auf Bahnhöfen und im Leben. --
Kerzengrade sitzt Jachl all die Stunden auf der Bank. Matten schläft in seinem Arm. Er darf doch Matten nicht stören. Vom Kinderpflegen hat Jachl bisher nichts gelernt, deshalb stellt er sich nicht gerade geschickt an.
Ganz steif sind seine Glieder, als der kleine Schläfer sich endlich regt. Ordentlich recken muß er sich und strecken, bevor er die Knochen wieder in Ordnung bekommt. --
Die letzte Fahrstunde bringt Jachl stehend am Fenster zu. Alte Häuschen tauchen auf; kleiner und grauer scheinen sie geworden, aber so lichtumflutet liegen sie da, als wolle die Natur ihn feierlich empfangen und beweisen, daß vor ihr Unterschiede nicht bestehen. -- --
»Vater!«
Jachl hört's und hört's doch nicht.