»Vater!« --
Fast erschrocken dreht er sich um. Daran hat er gar nicht gedacht, daß er wohl nun der Vater ist. Rasch verwandelt sich sein erstes Fühlen in Dank. Er drückt Matten einen Augenblick fest an seine Brust. »Wir wissen nu beide, wohin mit uns, mein Jung'; wir haben nu 'nen Platz für alle Liebe.« Um sich gleich wie ein erfahrener Vater einzuführen, fragt Jachl seinen Sohn: »Kannst du reiten?« (Etwas Besseres fällt ihm nicht gleich ein.) Schnell hebt er Matten auf seine Kniee und läßt ihn reiten, bis sie beide ganz außer Atem kommen.
Die letzte Haltestelle ist erreicht. Jachl übergibt einem Fuhrmann seine Sachen, nimmt den Kleinen an die Hand und wandert mit ihm auf wohlbekannten Heidewegen weiter. --
Der Schäfer weiß: Manch einer wird fehlen, der dahin gehen mußte in den Jahren, während denen er in der Fremde gewesen ist. Aber der kleine Heidefluß hier, neben dem sie eben schreiten, der ist ebenso still-fröhlich geblieben wie früher. Und gegen den rosigen Schein, der gerade auf den Heidbergen liegt, kommt keine Illumination auf, wenn sie in Berlin auch eine Menge Geld dafür hingeben. --
Jachl, der doch selten für viel Worte war, muß von der Heimatluft wie betrunken sein; er redet an diesem Morgen zu Matten, als könne er ihm nicht eilig genug von allem erzählen, was die Heide für sie beide in Bereitschaft hält.
»Gewiß, wir sollen hier nur geringe Leute sein, Matten, aber du sollst mit der Zeit selbst sehen, wo die Geringen sind; zu vielen Vergleichen wirst du aber nicht kommen, denn du bleibst ja hier bei mir -- du und ich gehören nun doch zusammen. Gut sollst du's haben, Matten. Ich bin so leidlich geworden, ja, das bin ich; aber du mußt anders werden, ganz anders, dafür bin ich da; ich weiß jetzt auch, was 'nem Menschen guttut an Ordnung und Reinlichkeit und wie er sich benehmen soll. Wenn zu uns Leute aus der Stadt kommen, sollen sie sich wundern, wie du hier zwischen die Schnucken kommst.«
Matten verstünde nichts von diesem allen, auch wenn er aufpaßte. Das tut er aber gar nicht. Er ist mit den Gräsern und den Blumen und den Moosen beschäftigt, die er am Boden sieht. Sonst ist er auf harten, kahlen Dielen in lichtlosen Hofräumen herumgerutscht. Wie sollte er hier nicht gucken und lachen und mit beiden Händen in die Luft greifen, so oft er in die Höhe sieht. Das Helle droben, das will er sich herunter holen. Jachl begreift's und lacht auch und möchte ebenso nach dem Hellen fassen.
»Ja, Matten, greif du nur in die Luft. So viel Luft hast du doch in deinem ganzen Leben noch nicht gehabt. Recht hast du zu lachen, ganz, ganz laut zu lachen, mein Jung'. Von allem Bösen sind wir jetzt fort. Solche Jungen wie dich machen sie in der großen Stadt krüpplig. So oder so! Nachher kommen sie mit ihrem »Kinder-Rettungsverein« und tun sich groß, aber was sie vorher alles ruhig geschehen lassen, davon reden sie nicht. Hier haben wir Frieden und Segen und Gesundheit für dich. Und reich sind wir auch, Matten, dir kann ich's anvertrauen: Fünf blaue Scheine haben wir. Mit der Zeit bauen wir uns ein kleines Häuschen, ein blitzblankes Häuschen neben unserm Schnuckenstall. Mitbauen mußt du helfen, Matten, dabei kann ich dich nicht schonen. Für das ganze große Hotel mit allem Gold und Silber tausch' ich es nicht ein, unser Häuschen. Hör' doch ein bißchen zu, mein Jung', was Vater red't -- --«
Jachl sagt's, aber in Wahrheit verlangt er gar nicht, daß Matten aufpaßt. Was kümmert es einen Trunkenen, ob ihn jemand anhört! Jachl wird weiter reden, bis sein glückseliges Herz zur Ruhe kommt und rasch, ach zu rasch veratmet ja solch bißchen Glückstrunkenheit.