Fahrt durch das Marmora-Meer, [S. 403.]
Im Archipel, Euböa, Cap Sunium und seine Tempelruine, Aegina, das attische Festland, poetische Abendfeier, neugriechische Unwissenheit altgriechischer Heldenthaten, [S. 405.]
Athen, unpraktische Anlage der neuen Stadt, baierisches Uebersehen der nationalen Eigenthümlichkeiten, Sonnenaufgang auf der Akropolis, der Zeustempel, das Dyonisische Theater, die Straße der Dreifüße, der Theseustempel, neuentdeckter antiker Friedhof, die Hügel zu Füßen des Burgfelsen, [S. 409–418.]
Stürme im äginetischen und adriatischen Golfe, Heimweh nach dem Orient und Vision seiner geschauten Herrlichkeiten, [S. 419.]
I. Hinreise.
Triest, Hôtel de la Ville, den 13. Mai 1864.
Briefe und die letzten Vorbereitungen füllten den gestrigen Tag. Müde und abgespannt, eigentlich krank und fiebernd stieg ich in Graz Abends 6 Uhr in den Eisenbahnwagen; erst da ich heute Morgens das Meer wieder sah und dem alten Lieblinge das freudige Θάλαττα! Θάλαττα! entgegenrufen konnte, ward mir wieder wohl in Leib und Seele.
Die Nacht war kalt gewesen, wie wenn dem Kalender zum Trotze der Winter noch fortdauere. Oder wollte sich die Heimath nur eindringlich dem Scheidenden in’s Gedächtniß heften? Umsonst die Angst, daß ich sie vergesse! es liegt ja die Nothwendigkeit der Rückkehr vor mir. Lange konnte ich den Schlaf nicht finden; dafür fand ich in der Ungestörtheit des Alleinseins mich selbst wieder, der sich in den Sorgen und Mühen der letzten Monate verloren hatte. Es ist das ein Vortheil des Reisens, daß es uns mit der Unabhängigkeit auch die unabweisliche Selbständigkeit gibt; herausgerissen aus der Bequemlichkeit der gewöhnlichen Verhältnisse, zwingt es uns die Gedanken und die Hilfe, die wir sonst rechts und links neben uns schon hergerichtet fanden, nunmehr in uns selbst zu suchen. Menschen, die sich bisher noch gar nicht kannten, haben sich oft am ersten Reisetage erst erkennen lernen. Ein Gang in die weite Welt ist die beste Schule für das Leben, und gerade für uns Kinder der Civilisation eine um so unentbehrlichere, als wir in stubenhockerischen Gewohnheiten den Contact mit der Natur verloren haben. Diese und sich selbst findet der verzogene Mensch dort wieder und so auch die Freiheit, die nur dort ist, wo der Mensch allein, oder wo er fremd unter Hunderten seines Gleichen steht.