Der Markt ist, namentlich was Gemüse und Früchte betrifft, sowohl in Valparaiso und Santjago, als auch in Valdivia und näher dem Süden zu, gut bestellt. Man findet dort alle Gemüse, welche im südlichen Deutschland gezogen werden, und alle gut. Derselbe Fall ist es mit Früchten, bei welchen ich aber die Pfirsiche ausnehme, denn diese wohlschmeckendste der Früchte, welche die Ananas und Orange an Aroma übertrifft, ist dort schlecht, und wird von der in deutschen Gärten gezogenen weit übertroffen. Dafür treten die Erdbeeren, Frutillos, in einer so enormen Größe auf, daß ich die ersten, welche ich sah, für eine fremde, unbekannte Frucht hielt. Die Sandilla, die Wassermelone, ist eine häufige beliebte Speise der ärmeren Chilenen, man erhält vier Stücke derselben von einem Schuh Länge für einen Medio und ihr Genuß ist unschädlich, wird er nicht übertrieben; man hält ihn für ein gutes Mittel gegen Syphilis, und vielleicht nicht ganz mit Unrecht. Es ist die Bemerkung vielleicht nicht uninteressant, daß diese Melonen sich auf der See sehr lange Zeit halten. Ich habe deren am Bord verwahrt von Chile bis nach Peru und von da, um Kap Horn bis fast an den Aequator, mithin fast fünf Monate lang. Alle haben sich nicht gehalten, und auch diese hatten natürlich nicht mehr das frühere Aroma, allein es war doch immer eine frische, dem Seefahrer willkommene Frucht.
Außerdem besitzt man Granaten, Citronen, Mandeln, Kastanien, Oliven, Orangen, die Cheremoya und andere Früchte, aber an Wildpret, mit Ausnahme der Wildenten, ist der Markt schlecht bestellt, und an vierfüßigem Wilde ist vollkommener Mangel, wenigstens in Valparaiso. Der Waizen ist die Körnerfrucht, welche am häufigsten gebaut und selbst nicht unbedeutend ausgeführt wird, dann Mais und Gerste. Hafer und Roggen wurde blos in Valdivia bis jetzt vorzugsweise von Deutschen gebaut.
Da ich später auf die Verhältnisse der Agrikultur zurückkomme, will ich jetzt nicht weiter von derselben sprechen, aber noch kurz des Maaßes erwähnen, nach welchem diese Früchte, bedarf man größere Mengen, verkauft werden. Man kauft dann nach der Fanega, so daß man von Allem was gewogen wird zu sagen pflegt, die Fanega kostet drei, sechs, zehn Peso, oder eben einen bestimmten Preis; aber man würde sich sehr irren, wenn man glauben würde, nach gleichem Gewichte gekauft zu haben. Die Fanega fast jeder Frucht hat verschiedenes Gewicht. Ich lasse hier des Beispiels halber einige Proben folgen:
| Aji, Knoblauch, | wiegt die Fanega | 35 | span. | Pfd. |
| Alpiste, Kanariensaamen | " | 175 | " | " |
| Anis | " | 112 | " | " |
| Azafran, Safran | " | 15 | " | " |
| Cal de concha, gebrannter Kalk aus Muscheln | " | 175 | " | " |
| Cal de piedra, gebr. Kalk aus Steinen | " | 175 | " | " |
| Cebada, Gerste | " | 155 | " | " |
| Cocos, Kokosnüsse | " | 140 | " | " |
| Camino, Kümmel | " | 72 | " | " |
| Frangollo, gekochtes Getreide | " | 160 | " | " |
| Garbanzos, Erbsen | " | 200 | " | " |
| Guindas secas, getrocknete Kirschen | " | 150 | " | " |
| Harina, Mehl | " | 200 | " | " |
| " " andere Sorten | " | 160 | " | " |
| " " andere Sorten | " | 150 | " | " |
| Higos, Feigen | " | 170 | " | " |
| Lentejas, Linsen | " | 200 | " | " |
| Mais, Mais | " | 160 | " | " |
| Nueces, Nüsse | " | 96 | " | " |
| Hrigo, Waizen | " | 160 | " | " |
| " " andere Sorten | " | 155 | " | " |
Wie namentlich in den höheren Ständen europäische Sitte durchweg in Chile tiefere Wurzel schlägt, so ist dies auch mit der Kleidung der Fall. Man trägt sich, in den Städten wenigstens, allgemein nach europäischer Mode und sucht ängstlich das Neueste zu erhalten.
Meist werden bereits fertige Kleidungsstücke von Europa aus importirt, welche indessen wo möglich alle aus Paris sein müssen. Wie manches ehrliche deutsche Beinkleid als pariser Fabrikat mit unterläuft, will ich nicht entscheiden. Ich war in diesem Bezuge übel daran. Gut ausgerüstet mit Reise-, Reit- und Jagdkostüm, war ich nur spärlich versehen mit dem, was die Mode erheischte, und indem dort, wenigstens sicher nicht minder als anderwärts, Kleider Leute machen, war ich gezwungen, zu theuren Preisen mir jene Dinge zu kaufen. Liebig sagt: Der jährliche Verbrauch der Seife sei der Maßstab für den Kulturzustand eines Volks. Ich möchte aussprechen, daß die Grenzsteine dieser Kultur durch den schwarzen Hut repräsentirt sind. Wo der ist, folgt der Frack bald nach, und das Bischen andere Bildung kommt dann schon später.
Ich war alsbald in Valparaiso gezwungen, mir einen solchen Repräsentanten für eine halbe Unze Gold zu kaufen, und zu analogen Preisen ähnliche Dinge, die ich in Europa, theuer gerechnet, für den vierten Theil des Preises bekommen haben würde.
Es versteht sich von selbst, daß die Damen noch erpichter auf die neuesten europäischen Moden versessen sind als die Männer, indessen finden sich doch in Valparaiso, wie in ganz Chile, noch zwei Luxus-Gegenstände, welche, wenn auch nicht chilenisch, doch wenigstens nicht aus Europa gebracht werden.
Es ist das schwere und reich mit Handstickerei versehene große Umschlagtuch aus China für die Damen, der Strohhut aus Panama für die Männer.