Kaswin.

Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, 16. Silhidsche 654/
4. Jan. 1257 wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur Uebergabe von Meimundis beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner auserwählten Geschichte dieses Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: an kesch win, d. i. jenen Winkel schau, und nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort der Namen Keschwin, d. i. Winkel schau, blieb, das heutige Kaswin. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, Mubarekabad, d. i. der gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen Reschidabad erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212]. Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach ihm Ssahibabad genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen heisst: Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des Paradieses[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu wählen; Musiker aus Chorasan, Geschäftsmänner aus Issfahan, Krieger aus Tebris und Gesellschafter aus Kaswin[219]. Zur Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre Kaswini, der Verfasser der Wunder der Geschöpfe[220] und der einzigen Perle der Seltenheiten[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und Hamdallah Mestufi, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen Kaswin.

Hamadan.

Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: „Was hast du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und Grösse den Chalifen zu schrecken?“ Baidschu kniete nieder und sagte: „Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen.“ Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen Kuli, Belghai, Kotar und mit den Befehlshabern Bukatimur, Sundschak, Köke Ilka in die Ebene von Hamadan, um dort das Heer zu sammeln. Hamadan, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von Medawidsch, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Eingeborene von Hamadan, der Dichter Ibn Chaleweih und Bediesseman, d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:

Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt
Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.

Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen Hariri's zum Muster gedient, sagte:

Wiewohl geboren ich zu Hamadan,
Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;
Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,
Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.

Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe Esther's und Mardochai's, der Arzt zu dem Avicena's[231], die Mystiker zu dem eines der grössten persischen Dichter, nämlich: Aththar's, des Verfassers der Vögelgespräche und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs des Raths, der Drangsale, der Nachtigallen, der Kantele, der Geheimnisse der Gänse, der Chosroen, der Antworten, der Nöthen, des Auserwählten, des Göttlichen, und Haider's, des Biographen der Heiligen, des ascetischen Werkes der Brüder der Reinheit und anderer mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen. Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.

Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.

Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich Dchurmaghun und Baidschu Nujan, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil verwüsteten, 633/
1236 rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis Dschaaferije vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück. Noch im selben Jahre 635/
1238 war ein Corps von gleicher Stärke bis Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden. Der armenische Prinz Awak begab sich mit seiner Schwester Thamtha an den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst Alakjuh hiess.[233] Nach dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235] Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen, 1244 antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's, des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre 1245 eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre 1246 erschienen die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre 1247 tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner, welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte.[237]