Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.

In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des Urugh, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die, Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm Kelilat beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an zwei Moslimen, jenes an Scherefeddin von Jesd, dieses an Behaeddin von Dschuwein, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle Nussal, welcher schon von Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der Statthalterschaft bald Körgös, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär Dschinkai dem Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer Danischmend, Gegner Dschinkai's, bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling ein Jerligh, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt, schmiedeten mit Ongu Timur, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu Binaket den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen; es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner Kelilat und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's, welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses, nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu bringen.[238]

Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.

Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus, und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde Arghun zum Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als Ulug Bitekdschi, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin, Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er, um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus, bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von seiner Tyrannei; 1244 aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen, welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt Fachreddin Behischti. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein. Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör, und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm mit Jerligh und Paise, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt, und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre Agenten; so auch Nikpei, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den Titel Melik, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits, sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden.

Rückblick auf das Chalifat.

Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, 9. Rebiulachir 655/
26. April 1257 drei Monate hernach zu Hamadan; 10. Redscheb/
26. Juli in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife Moteaassim in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der Karmathen und die überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen aber die mächtigsten, wie die Beni Hamdan und Beni Buje, um die Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch Abdallah es-seffah, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem neunzehnten Chalifen Kahirbillah, d. i. der Rächende durch Gott, war bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. i. J. 325/
936 Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier Zweige getheilte Dynastie der Beni Buje, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni Hamdan; Chorasan war in den Händen der Beni Saman, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni Dilem; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die Karmathen, der südlichen persischen Ahwas und Wasit, die Söhne Berid's, als Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven der Familie Achschid als Herrn den Titel von Sultanen und zu Bagdad selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni Sijad regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni Thaba Thaba aus der Familie Ali und die Beni Ochaissar in Hidschas. Den Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie der Beni Omeije in Spanien und die neue der Fatimiten in Afrika streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer, arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank.

Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.

Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, Ibn Mokla, der Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form des Neschi, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen Briefwechsel mit Jahkim, dem türkischen Emire, wie Ibn Alkami, der letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum zerfällt in vier Perioden, in deren erster die Bujiden, in der zweiten die Seldschuken, in der dritten die Chuaresmschahe und endlich die Mongolen die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte, die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen. Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung geführte Glaubensspaltung der Sunni und Schii, wovon jene die Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren die Karmathen und Ismailiten, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten; höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen der Mulhad, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet ihrer Grundlehre: Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben, verlarvten; gefährlicher als die Anhänger Masdek's unter Nuschirwan, als die Babek's unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's bestätigt ward.

Die Emirol-umera aus der Familie Buje.