„Gott, der Ernährer der Himmel und Erden“, so kündet der siegreiche König: „Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, Seifeddin (das Schwert des Glaubens), Ihn Jaghmur und Alaeddin El-Koscheimri und die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet. Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: was erwerben eure Hände. Wer voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der Erniedrigung und Verachtung. Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung, weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster. Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten, und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken, ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei der Hand, und Niemand lösche den Brand; weisst du, was das sei, flammender Brand? ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens auch mit den Worten des Korans ruft: Ist einer von ihnen zu finden, ist von ihnen zu hören der geringste Laut.[339] Wir sind billig gewesen, indem Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura: Nachl[340], und das Ende der Sura: Ssad[341]. Wir haben Perlen des Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu Theil dem, der verdient Heil.“
Antwort.
„Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es wird gegeben das Reich, wem er will; es hat uns seine Vorsehung geleitet, Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch. So sagt der Koran: „O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet an!“ Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben, und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? – Wir halten fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen.
Wann sich spaltet der Himmel,
Wann die Sterne sich zerstreuen,
Wann sich mischet der Meere Getümmel,
Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;
Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]
Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen; Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust; Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine Stunde[344]. Ihr sagt: „Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand“. Den Fleischer die Menge der Schafe nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen? Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer glückselig: Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?[345] Nach dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes, des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen, genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die Phantasien, die leeren. – Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: Ihr habt eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen.[346] Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen, und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, von dem der Sprechende spricht: Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten, aber es fliehen dich der Dinge Gestalten. Du hast geschrieben den Text: Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: Gottes Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht, der König Nassir und Jaghmur und Alaeddin Koscheimri und die übrigen Emire Syriens achten nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten Ssafer und Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand. Heil!“
Marsch bis Haleb.
Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu Malatia, Kalaatol Rum, Bire und Kirkesia, alle vier als Uebergänge des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte bekannt. Malatia, das alte Melitene, Kalaatol Rum, d. i. das Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband, Bire, das alte Birtha, und Kirkesia, ganz unverändert das alte Kirkesion. Das erste Blutbad hatte zu Menbedsch, dem alten Hierapolis, statt, dessen heutiger Name aus dem alten Bambyce verstümmelt; die beiden alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt, die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte Thürme erhoben, Thürme, die heute Minarete, d. i. Leuchtthürme, genannt, ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser Nedschm, Rakka und Dschaaber. Nedschm heisst das Sternschloss; Rakka hat in der römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium schönen Sieg verkündenden Namen, Dschaaber aber in der osmanischen die grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem, der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres rückten vor Maarretnaaman, Hama und Himss, welche sich ergaben; die Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch Melik Nassir, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien, nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's, dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens Chalybon in Haleb, was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen, Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber die Tochter des Gedächtnisses[353] nennt, weil sie gegessen das Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch das kleine Indien genannt.
Eroberung von Haleb und Harim.
Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's, an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei, unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten. Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden, aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch, der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. 11. Rebiulachir 659/
6. April 1261 Die Emire der ägyptischen Mamluken, welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter dem Namen Harim aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama, dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah, der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der Christen zu Hossnol Ekrad es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein übriges Erbe verschonend[365].