Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die von Haleb, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu Kerek, herrschten Abkömmlinge Melikol-aadil's (d. i. des gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu Hama die Nachkommen Schehinschah's, des Bruders Ssalaheddin's und Melikol-aadil's, und zu Himss die Schirkuh's, des Oheims der drei Brüder. Melik Nassir Jusuf, der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, Melikol-asis, Tode schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, die Frau Ssaffije, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, Manssur Ibrahim, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. 646/
1248 Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, Melikol-eschref Musa, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von Tell baschir gegeben. Im folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. 647/
1249 Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. 648/
1250 Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei Abbasa, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain herrschte Melikol-kjamil, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von Hossnkeif war Melikol Mowwahid, der Ururenkel Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von demselben Jerligh und Paise, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.

Aufbruch von Tebris.

Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von Aserbeidschan (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher Paitachti Hulagu, d. i. der Fuss des Thrones Hulagu's. Tebris, d. i. das warm Rieselnde, hat seinen Namen, der gleichbedeutend mit Tepliz, von seinen warmen Quellen; es liegt auf der Westseite des Berges Sehend mitten unter üppigen Gärten, vom Flusse Surchab, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass Tebris nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden Gabris; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau Sobeide. 175 (791) Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert 245 (857) und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in Schutt gelegt. 434 (1042) Der Astronom Abu Tahir von Schiras hatte das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung, aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; „und wirklich“, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber Geographe, „haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung fürchtet“. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss Mehranrud vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs mit den Zauberthälern von Soghd, Damaskus, Schaabbewwan und mit der Ebene von Mamschanrud bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen, Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische Viervers gang und gäbe:

Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;
Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.
Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,
Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.

Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:

Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.
Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;
Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,
Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.

Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte: Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der Stadt, zu sprechen der Ort sein[327].

Marsch Hulagu's bis Roha.

Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften September gegen Syrien auf. 22. Ramasan 657/
12. September 1259 Vor seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, Dſchelaleddin. Seinen Feldherren Baidſchu und Schiktur übertrug er den Befehl des rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von Hasan Kalaa, erhebt sich das Gebirge Alatagh, d. i. der bunte Berg, in welchem herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich die des Muradſsuji, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328]. Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von Alatagh, dass er denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er sich südwärts nach Achlath, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan, gegenüber des Schneegebirgs Siban, gelegenen Stadt, die eine uralte, schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel, deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. 626/
1228 Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des Stammes Hakkjari, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333], Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte sich nach Roha, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; Harran und Niſsibin wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von Serudsch, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen, Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: „Nicht dich haben wir begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm“. König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336]. Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's mittelländische Meer. 20. Juli 1259 Von hier aus wurde ein Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt: