Von den Fürsten, welche dem neuen Ilchan oder Landesherrn nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die auserwählte Geschichte[315] rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus Schafii entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft Klein-Luristan's seine Söhne Dschemaleddin Bedr (Schönheit der Religion, Vollmond) und Nassireddin Omer mit Tadscheddin Schah, dem Sohne des in der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's, Tadscheddin, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden Söhne Bedreddin Mesud's, dem Felekeddin Hasan und Iseddin Husein, zugesprochen ward.
Könige Gross- und Klein-Armenien's.
Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber Hatim, die Kreuzfahrer Haithon nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus der Familie Awak anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss seiner Feinde Sewindsch und Scherefeddin eingekerkert, welche Arghun's Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. 657/
1259 Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau Tokus, welche eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt Ain; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, Sis, in Cilicien an einem kleinen Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des Erleuchteten aus dem Kloster bei Kaghseman[325], das zwischen Karss und Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von Norevanch schenkte[326]. Hethum, schon durch die Lage seines Königreichs ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der Mamluken, sowie hernach Purthel, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide Hethum in den Geschichten der Araber als ein zweiter Hatim (das arabische Muster von Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen in's mongolische Hoflager figurirt.
[Drittes Buch.]
Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.
Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen Dynastien.
Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des Tigris war der Herrschaft des Ilchan's unterworfen, aber hierdurch der Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von Aegypten trennt, Miafarakain und Hossnkeif, bis nach Damaskus und Karak; inmitten derselben die von Haleb, Hama und Himss. Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre. Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.
Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.